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Innere Medizin 4. April 2006

Diabetes ist bei Frauen der stärkste Prädiktor für eine KHK

Bei Frauen wirken grundsätzlich die gleichen Risikofaktoren atherogen wie bei Männern. Die Bedeutung einiger Risikofaktoren ist allerdings bei Frauen und Männern unterschiedlich: So ist bei Frauen der Diabetes mellitus mit einem zwei- bis dreifach höheren koronaren Risiko assoziiert als bei Männern. Und die große Bedeutung des vaskulären Risikofaktors Rauchen bei Frauen steigt noch, wenn Raucherinnen medikamentös verhüten.

Den aktuellen Stand zum Thema kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Frauen stellte Privatdozentin Dr. Verena Stangl zusammen mit Kollegen vom Klinikum Charité in Berlin zusammen (DMW 128, 2003, 1659).
Danach steht die Bedeutung eines erhöhten Cholesterins als KHK-Risikofaktor auch bei Frauen außer Frage. Das LDL-Cholesterin nimmt bei Frauen zwischen dem fünften und siebten Lebensjahrzehnt um 2 mg/dl pro Jahr zu. Die Durchschnittswerte liegen dann über denen von Männern gleichen Alters. Und: Bereits seit über einem Jahrzehnt ist bekannt, dass Frauen unter 65 Jahren mit erhöhten LDL-Cholesterinwerten über 160 mg/dl ein dreifach erhöhtes KHK-Risiko haben im Vergleich zu Frauen mit Werten unter 140 mg/dl.
Insgesamt aber haben Gesamt- und LDL-Cholesterin als kardiovaskuläre Risikofaktoren vermutlich eine etwas geringere Bedeutung als bei Männern. Umgekehrt ist es bei niedrigen HDL-Spiegeln und erhöhten Triglyzerid-Werten. Sie erhöhen das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen stärker als bei Männern.
Erhöhte Spiegel des Lipoprotein (Lp)(a) über 0,3 mg/ml sind bei Frauen ein unabhängiger kardiovaskulärer Risikofaktor. Das kardiovaskuläre Risiko steigt zusätzlich, wenn zu hohen Lp(a)-Werten ein ungünstiges Lipidprofil hinzukommt.
Zigarettenrauchen ist bei Frauen ein kardiovaskulärer Risikofaktor erster Ordnung. Werden täglich mehr als 14 Zigaretten geraucht, ist das KHK-Risiko mehr als fünffach erhöht. Noch stärker steigt es, wenn Raucherinnen medikamentös verhüten. Und: Gerade bei weiblichen Teenagern nimmt die Raucherquote derzeit zu.
Die Hypertonie steigert das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen ebenfalls. Bei jungen Frauen ist der Blutdruck zwar selten zu hoch. Die Prävalenz der Hypertonie nimmt nach der Menopause aber – ähnlich wie bei Fettstoffwechselstörungen – zu. Insgesamt hat ein zu hoher Blutdruck als KHK-Risikofaktor allerdings eine etwas geringere Bedeutung als bei Männern. Hypertonikerinnen, die ein koronares Ereignis haben, haben meist noch weitere Risikofaktoren.
Der stärkste Prädiktor für ein kardiovaskuläres Ereignis bei Frauen ist Diabetes. Er ist als Risikofaktor bei ihnen viel wichtiger als bei Männern. Diabetikerinnen haben im Vergleich zu Frauen ohne Diabetes ein achtfach erhöhtes Koronarrisiko, bei Diabetikern ist es nur dreifach erhöht.
Übergewicht ist bei Frauen wie bei Männern mit einer erhöhten kardiovaskulären Gefährdung assoziiert. Besonders gefährdet sind dabei offenbar Frauen mit einem androgenen Fettverteilungsmuster, dem typischen Kugelbauch.
Die Menopause mit den physiologischen und metabolischen Veränderungen ist als atherogener Risikofaktor anzusehen. Die Hormonersatztherapie hat jedoch weder in der Primär- noch in der Sekundärprävention bei KHK günstige Effekte.

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