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Innere Medizin 3. April 2006

Dyslipidämie und Diabetes gehören zusammen

Die Dyslipidämie ist der Schlüssel für das besonders hohe Risiko für arteriosklero-tische Folgeerkrankungen bei Diabetikern. Erste klinische Erfolge mit Statinen bei Patienten mit Diabetes ließen hoffen. Nun liegt mit CARDS (Collaborative Atorvastatin Diabetes Study) erstmals eine Statinstudie vor, die ausschließlich an Diabetikern durchgeführt wurde.

Die Daten der CARDS-Studie wurden Mitte Juni in Orlando präsentiert, im LANCET vom 21. August wurde die Studie veröffentlicht. Die Therapie eines Typ-2-Diabetikers mit Atorvastatin (Sortis®) bringt demnach eine deutliche Risikoreduktion für Myokardinfarkt und Schlaganfall. Das hohe Risiko für arteriosklerotische Folgeerkrankungen bei Diabetes ist seit langem bekannt. Ebenso lange wird über das wesentliche atherogene Element beim Diabetes mellitus diskutiert. Prof. Dr. Heinz Drexel, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin, Landeskrankenhaus Feldkirch, sprach Ende Juni in Röthis, Vorarlberg, zu diesem Thema und über den Stellenwert der Dyslipidämie beim Management des kardiovaskulären Risikos.
Drexel: „Wir fragen uns wiederholt, ob die Hyperglykämie, die arterielle Hypertonie oder die Dyslipidämie das wesentliche atherogene Element beim Diabetes mellitus ist. Aus der UKPDS-Studie wissen wir, dass steigende HbA1c-Werte mit einer steigenden Anzahl an Endpunkten assoziiert sind. Allerdings zeigte sich auch, dass diese Assoziation vorwiegend für mikrovaskuläre und weniger für makrovaskuläre Endpunkte gilt.“ Auch die Therapiestudien zeigen einen wesentlich klareren Zusam-menhang zwischen einer intensiven blutzuckersenkenden Therapie mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen und mikrovaskulären Endpunkten. Drexel: „Makrovaskuläre Endpunkte, wie die koronare Herzkrankheit und insbesondere der Myokardinfarkt, sind mit einer intensiven Blutzu-ckersenkung praktisch nicht beeinflussbar. Ähnliches gilt für die Blutdrucksenkung. Gerade der Myokardinfarkt ist aber die dominierende Komplikation beim Diabetes.“

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Konsequentes therapeutisches Einschreiten erforderlich

Somit kommt offenbar der Fettstoffwechselstörung beim Diabetiker bei der Entstehung arteriosklerotischer Folgeerkrankungen eine wesentliche Bedeutung zu. „Insbesondere bei hohen Triglyzeridwerten, niedrigem HDL-Cholesterin und hohem LDL-Cholesterin ist ein konsequentes therapeutisches Einschreiten zu fordern“, so Drexel. Die Datenlage aus großen internationalen Studien ist relativ mager aber eindeutig. Vor zwei Jahren erschien die HPS-Studie, eine Untersuchung die mit dem Statin Simvastatin durchgeführt wurde. Im Gesamtkollektiv konnte eine relative Risikoreduktion um je rund 24 Prozent für KHK Endpunkte, Schlag-anfall und koronare Revaskularisationen beobachtet werden. Diese Ergebnisse trafen auch auf die Subgruppe der Diabetiker zu. Drexel: „Nun wurden die Daten der CARDS-Studie präsentiert. Diese Studie mit dem Statin Atorvastatin wurde erstmals ausschließlich an Typ-2-Diabetikern durchgeführt.“ Die Collaborative Atorvastatin Diabetes Study (CARDS) umfasste mehr als 2.838 Patienten mit Diabetes mellitus Typ-2. Der Ausgangswert für das LDL-Cholesterin war mit 160 mg/dL eher niedrig angesetzt.„Patienten, die in diese Untersuchung eingeschlossen wurden, durften keine klinisch relevanten Anzeichen für koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre Erkrankung oder periphere arterielle Verschlusskrankheit aufweisen. Neben dem Diabetes sollte allerdings noch ein Risikofaktor, wie Rauchen, arterielle Hypertonie, Mikroalbuminurie oder Retinopathie, bestehen“, erklärte Drexel. Alle Patienten erhielten entweder 10 mg Atorvastatin oder Plazebo. Der primäre Endpunkt war das Auftreten eines „major cardiovascular events“ (Kombination aus koronarem Tod, nicht tödlichem Myokardinfarkt, koronarer Revaskularisation, instabiler Angina pectoris, Reanimation aus kardialen Gründen und Schlaganfall). Drexel: „Bereits im Sommer 2003 wurde die Studie abgebrochen, weil die Ergebnisse in der Atorvastatin- Gruppe zu diesem Zeitpunkt so gut ausgefallen waren, dass dieses Statin den Patienten in der Plazebogruppe nicht vorenthalten werden konnte.“

Signifikante Ergebnisse

Mit der Gabe von einmal täglich Atorvastatin 10 mg konnte eine relative Risikoreduktion für den primären kombinierten Endpunkt um 37 Prozent (127 vs. 83 events) erreicht werden (s. Abb.). Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Die rela-tive Risikoreduktion für den Schlaganfall fiel mit 48 Prozent noch beeindruckender aus. Drexel: „Die Folgen dieser Untersuchung für kommende Therapieempfehlungen sind mit Spannung abzuwarten.“

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