zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 28. März 2006

Hepatitis C: Die stille Erkrankung

Die verschiedenen Genotypen der Hepatitis C spielen eine entscheidende Rolle bei Therapie und Heilungschancen. Pegylierte Interferone kombiniert mit Ribaverin stellen die einzige Möglichkeit zur vollständigen Heilung dar.

Wie wird eine Hepatitis C diagnostiziert? „Die Versuchung ist groß, diese Frage pointiert mit ,derzeit meist gar nicht’ zu beantworten“, meint Prim. Doz. Dr. Johann Pidlich, Vorstand der Internen Abteilung des Thermenklinikums Baden bei Wien. Pidlich schätzt, dass nur ein Viertel der Hepatitis-C-Erkrankten von ihrer Krankheit wissen, und davon wiederum nur 30 Prozent adäquat behandelt werden.

Dermatologische Zeichen

Die ersten Symptome sind unspezifisch, wie Mattigkeit, Völlegefühl, Inappetenz, Übelkeit und auch Impotenz. „Häufig wird vergessen, dass sich eine Funktionseinschränkung der Leber zunächst ebenso in der Haut widerspiegelt. Dermatologische Zeichen wie Weißnägel, Spider naevi, Bauchglatze, Lackzunge und -lippen, Geldscheinhaut, Hämorrhagien und natürlich Ikterus sind erste Anzeichen“, mahnt Pidlich eine komplette und gewissenhafte Anamnese ein. Mehr Aufschluss bieten diverse Laborparameter. Erste Hinweise beim Screening geben die Transaminasen: Anhäufung von Gamma-GT und alkalischer Phosphatase (AP) im Serum weisen auf eine (intrahepatische) Stauung von Gallenflüssigkeit hin. Geht Lebergewebe zu Grunde, so erhöhen sich die Werte von Glutamat-Oxalazetat-Transaminase (GOT), Aspartat-Amino-Transferase (AST) und Laktatdehydrogenase (LDH). Vermehrte Cholinesterase bietet einen wertvollen Hinweis auf eine sich entwickelnde Fettleber.
Spezifischer sind der HCV-Antikörpertest und der direkte Virusnachweis anhand der HCV-RNA mittels qualitativem und quantitativem PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion), der auch die Infektiosität des Patienten bewerten kann. Pidlich: „Der PCR-Test ist auch ein ausgezeichnetes Instrument, um den Therapieerfolg zu beurteilen.“ Die unangenehmste Untersuchung bringt noch die größte Gewissheit: die Leberpunktion. In der Primärdiagnostik spielt diese jedoch nur eine untergeordnete Rolle.
In den letzten Jahren wurde der Begriff Viruslast zum unentbehrlichen Diagnostikum, da er sehr rasch und sehr sensibel auf eine Änderung der Therapie reagiert. Unter dem Terminus wird die Anzahl der im Blut vorhandenen Viruspartikel verstanden. Der optimale Therapieerfolg ist durch den Begriff Sustained Virologic Response (SVR) gekennzeichnet und gibt an, dass sechs Monate nach Therapieende kein Virus mehr nachweisbar ist. Das Virus, ein einzelsträngiges RNA-Virus, aus der Familie der Flaviviren, wird in sechs Genotypen eingeteilt, die eine bestimmte geografische Verteilung zeigen (in Österreich herrscht Typ 1 vor). Prim. Doz. Dr. Michael Gschwantler, Vorstand der 4. Med des Wilhelminenspitals, plädiert für eine Bestimmung des Genotyps mithilfe der PCR. Für die Prognose selbst ist der Genotyp irrelevant, der Spontanverlauf bleibt unverändert. Unterschiede zeigen sich jedoch in der Therapiedauer. Bei den Genotypen 1 und 4 dauert eine Behandlung etwa 12, bei den Genotypen 2 und 3 zirka sechs Monate. Auch die Heilungschancen sind unterschiedlich und liegen beim Genotyp 1/4 bei 50 Prozent und beim Genotyp 2/3 bei 80 bis 90 Prozent.

Pegylierte Interferone

Diese Erkenntnis gilt in erster Linie für die modernen pegylierten Interferone. Diese sind in Kombination mit Ribavirin der Goldstandard bei der Behandlung von Hepatitis C und die einzige Möglichkeit, eine vollständige Heilung zu erzielen. Durch die lange Halbwertszeit ist nur einmal pro Woche eine Injektion notwendig. Bei Genotyp 1 werden höhere Ribavirindosen (1.000 mg) als bei Genotyp 2 oder 3 (800 mg) benötigt. Experten unterscheiden verschiedene Ansprechtypen: Beim Sustained Responder bleibt auch sechs Monate nach der Therapie das Blut frei von Viruspartikel. Erst dann kann von einer Heilung gesprochen werden. Beim Relapser kommt es nach Absetzen des Präparates zu einem viralen Comeback. Der Nonresponder spricht überhaupt nicht auf die Therapie an. Gschwantler zeigt sich von der neuen Therapie überzeugt: „Selbst bei bereits eingetretener Zirrhose oder fortgeschrittener Fibrose haben wir gute Chancen. Trotzdem ist eine frühe Diagnose anzustreben.“ Nebenwirkungen sind meist moderat. Grippeähnliche Symptome, leichte Depressionen und gastrointestinale Unverträglichkeit lassen sich mit geeigneter Medikation gut in den Griff bekommen.

Quelle: Chronische Hepatitis C-update 2004, 6. Mai 2004, Baden bei Wien

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben