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Innere Medizin 1. Februar 2007

Die Würzburg Skala: ein neues Klassifikationssystem für den permanenten postoperativen Hypoparathyre

GRUNDLAGEN: Der permanente postoperative Hypoparathyroidismus ist eine seltene, aber komplexe endokrinologische Folgeerkrankung. Ein Klassifikationssystem dafür existiert bisher nicht. Wir schlagen hiermit ein neuartiges Klassifikationssystem basierend auf unseren extensiven Studien und klinischen Erfahrung en vor. METHODIK: Ein validiertes, krankheitsspezifisches Fragebogenmessinstrument diente zur Evaluierung der Beschwerden, Symptome und Spätfolgen der Erkrankung in 3 Studiengruppen in Deutschland und der Ukraine. Als Basisscoring-System bestimmten wir einen Symptomzahlscore (=TSS) und einen klinischen Belastungsscore (=DLS). Die Serumspiegel von Parathormon (= [PTH]i.s.) und Kalzium (= [Ca++]i.s.) wurden bei allen Patienten bestimmt. Verschiedene statistische Methoden kamen zur Anwendung, um die Klassifikation zu erstellen (Pearsons Korrelationskoeffizient, Spearman-Rho, Varimaxanalyse). ERGEBNISSE: Aufgrund unserer Daten entspricht dem Stadium I der latente oder subklinisch verlaufende chronische Hypoparathyreoidismus, während Stadium II die typischen klinischen Symptome, die durch die neuromuskulären Hyperexzitabilität aufgrund der Hypokalziämie resultieren, umfasst. Dieses Stadium ist in IIa (Parästhesien) und IIb (muskuläre Symptome, Tetanie) unterteilt. Stadium III beinhaltet Veränderungen des Integuments (p < 0,05; Varimaxrotationsanalyse). Patienten in Stadium IV leiden unter den Langzeitfolgen wie Basalganglienverkalkung, Nierensteine, Herzinsuffizienz und Katarakten. Ihr [Ca]i.s. korreliert signifikant mit den Symptomen (p < 0,05), während keine signifikanter Zusammenhang zwischen [PTH]i.s. und der Schwere der Erkrankung in allen Stadien bestand. Anhand der Bestimmung der klinischen Scorewerte, die weniger als 5 Min. dauert, kann die Zuordnung des individuellen Patienten in ein bestimmtes Stadium unkompliziert und einfach erfolgen. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Vorteile der so genannten Würzburger Klassifikation stellen die unmittelbare klinische Relevanz, Verständlichkeit und leichte Anwendbarkeit dar. Zusammenfassend möchten wir ausdrücklich betonen, dass der Hypoparathyreoidismus nicht nur eine chirurgische Komplikation, sondern vor allem eine komplexe, eigenständige Erkrankung darstellt, die konsequent behandelt werden muss.

T. Bohrer, J. Paul, H. Krannich, C. Hasse, O. Elert, European Surgery

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