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Dermatologie 5. Oktober 2005

Bei Dermatosen auch an Syphilis denken

Die Zahl der an Syphilis Erkrankten ist in Österreich in den letzten beiden Jahren sprunghaft angestiegen. Eine Renaissance der Erkrankung zeichnet sich auch in anderen Ländern ab.

Gegenüber 1999 haben sich die Fallzahlen mehr als verdoppelt, damals wurden weniger als 200 Lues-Erkrankungen gemeldet. In Österreich wurden 2002 420 Syphilisfälle
gemeldet, dies entspricht etwa der Zahl der HIV-Neuinfektionen. Der Schwerpunkt der Erkrankungen wird aus Wien mit etwa 68 Prozent gemeldet. Im Gegensatz wurden 2002 in Deutschland vom Robert Koch-Institut 2.523 Fälle gemeldet mit einer Zunahme von etwa 30 Prozent.

Infektionsanstieg bei Männern

Nach dem Anstieg von Gonorrhoe und Syphilis im Gefolge der 68er Bewegung, führte in den 80er-Jahren die Angst vor einer HIV-Infektion zu einem Rückgang der Geschlechtskrankheiten. In der ehemaligen Sowjetunion wurde bereits zu Beginn der 90er-Jahre ein Anstieg von Syphilis verzeichnet. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs, sowie durch den Rückgang der Angst vor HIV-Infektionen entwickelte sich eine Veränderung im Sexualverhalten mit einem Anstieg der Geschlechtserkrankungen.
Bei der Geschlechtsverteilung bei den Infektionen macht sich in Österreich ein Anstieg bei Männern bemerkbar. In Wien wurde im Jahr 2002 ein männlicher Anteil von 58 Prozent bei den gemeldeten Infektionen registriert. Auch in Deutschland wird die Zunahme zum größeren Teil auf homosexuelle Männer zurückgeführt. Es macht sich eine Zunahme des sexuellen Risikoverhaltens durch die kaum mehr vorhandene Angst vor HIV bemerkbar. Nach Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sank der konsequente Kondomgebrauch beim Analverkehr von 76 Prozent im Jahr 1996 auf 70 Prozent im Jahr 2003. Darüber hinaus steckten sich viele Homosexuelle bei genital-oralen Kontakten an.

Antibiotika intramuskulär

Der Nachweis erfolgt mittels serologischer Verfahren wie dem Treponema-pallidum-Hämagglutinationstest (TPHA-Test), welcher ab der dritten Woche post infectionem (p.i.) positiv sein kann. Der FTA-ABS-Test wird etwa zwei Wochen p.i. reaktiv. Beide Tests bleiben auch nach Ausheilung oft lebenslang positiv, daher dienen sie dem Nachweis einer Treponemeninfektion und sind nicht zur Beurteilung des Therapieerfolges geeignet. Der Veneral Disease Research Labaratory Test (VDRL-Test) wird etwa ab der fünften Woche reaktiv. Mit ihm wird die Aktivität und Behandlungswürdigkeit der Syphilis diagnostiziert. Mit dem IgM-ELISA wird die Aktivität erfasst.
Therapiert wird in Abhängigkeit von den Stadien. Stadium I und II werden mit Benzylpenicillin 2,4 Millionen Einheiten intramuskulär zwei Mal mit einem wöchentlichen Abstand behandelt.
Bei Penicillin-Allergie wird Doxycyclin 200 mg täglich oder Erythromycin zwei Gramm pro Tag für zwei Wochen verabreicht. Für Patienten mit später sekundärer Syphilis, Tertiärsyphilis oder Syphilis unbekannter Dauer wird die intramuskuläre Anwendung von dreimal Benzylpenicillin 2,4 Millionen I.E. jeweils im Abstand von einer Woche, also von insgesamt 7,2 Millionen I.E., empfohlen.

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