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Innere Medizin 30. Juni 2005

Qualvoller Sterben mit implantiertem Defibrillator

Implantierbare Defibrillatoren (ICD) sind für die meisten Patienten eine ­segensreiche Einrichtung. Moribunden Menschen können sie jedoch einen ­natürlichen Sterbeprozess verwehren.

ICDs verhindern den plötzlichen Herztod durch Arrhythmien bei Patienten, die noch ein lebenswertes Leben vor sich haben. Dementsprechend werden sie nur bei Patienten implantiert, deren Lebenserwartung über einem Jahr liegt. Sie können aber auch den Tod verhindern und das Sterben qualvoller machen. Das betrifft Patienten mit schweren Erkrankungen, für die der schnelle Tod infolge einer Herzrhythmusstörung die bessere Option ist als der unabwendbare Tod nach langsamem Sterben. Der Segen der Technik kann sich also in einen Fluch verwandeln. Dies zeigt auch eine Studie aus den USA. Die Autoren haben die nächsten Angehörigen (überwiegend Ehefrauen) von 100 Patienten befragt, die mit einem Defibrillator gestorben sind. Nur in 27 Fällen haben Ärzte, oft nur Stunden oder Minuten vor dem Tod, mit dem Patienten oder seinen Angehörigen über die Möglichkeit einer Deaktivierung des Defibrillators gesprochen und diese Option dann in 21 Fällen gewählt. Elektroschocks haben 27 Patienten in den letzten Monaten, darunter sechs noch kurz vor ihrem Tod, erhalten. Zwei Angehörige berichten über Aktivierungen bei Moribunden zwölf Mal in einer Nacht beziehungsweise etwa alle 20 Minuten mit entsprechenden Körperzuckungen und Aufschrecken aus dem Dämmerschlaf.

kles Thema mit Handlungsbedarf

Die Studie zeigt auf, dass hier ein ganz offensichtliches Problem noch unbewältigt ist und dringender Handlungsbedarf besteht. Eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema sowie eine Erstellung von Leitlinien haben noch nicht stattgefunden. Auch Prof. Dr. Herwig Schmidinger, Abteilung für Kardiologie (mit 500 lebenden ICD-Trägern wahrscheinlich die größte Ambulanz Wiens), Universitätsklinik für Innere Medizin II, AKH Wien, bestätigt, dass es sich hier um „ein sehr heikles Thema“ – nämlich letztendlich um eine Frage der aktiven Sterbehilfe – handle. Bei schwerkranken Patienten, deren Tod kurz bevorstehe, werde im Krankenhaus nach dem Prinzip „Do not rescucitate“ (kurz DNR) gehandelt. In der Praxis oder beim Hausbesuch müsse der Arzt eben „ärztlich“ handeln und individuell entscheiden, wie er Patient und Angehörige informiert und wann er den Defibrillator deaktiviert. Allerdings habe nicht jeder Arzt immer einen Magnet parat.

Seltene Zwischenfälle

Eine dementsprechende Aufklärung des Patienten beziehungsweise die Einholung des Patientenwillens bei Implantierung eines Defibrillators lehnt Schmidinger ab: „Warum soll man bei einem lebensrettenden Eingriff vom Tod reden?“ Grundsätzlich jedenfalls seien Probleme mit ICDs eine Seltenheit. Allerdings, so schränkt Schmidinger ein: „Auch ich kenne den Fall eines 80-jährigen Patienten, der aufgrund einer bestimmten EKG-Konstellation 60 Mal pro Stunde defibrilliert wurde und sich das Gerät am liebsten aus dem Leib gerissen hätte.“ Fazit: Vielleicht wäre eine entsprechende Aufklärung – abseits aller Panikmache – für den Not- oder Ablebensfall doch nicht ganz abwegig.

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