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Innere Medizin 30. Juni 2005

Selektive AT1-Rezeptorblockade: Zuverlässige Blutdrucksenkung

Mit den Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern steht seit kurzer Zeit eine neue Substanzgruppe in der Therapie der arteriellen Hypertonie zur Verfügung.

Erhöhung des Pulsdruckes

Neben den a- und ß-Blockern, ACE-Hemmern und Calciumantagonisten kommen nunmehr Sartane, wie Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker auch genannt werden, also Substanzen wie beispielsweise Eprosartan, Losartan, Valsartan und andere, mehr zum klinischen Einsatz. Aber nicht jeder Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker gleicht dem anderen. Durch eine effektive Blockade der Angiotensin- II-Wirkung und eine zusätzliche sympatholytische Wirkung kann Eprosartan (Teveten®) überzeugen.

Bereits die Framingham Studie zeigte, dass selbst eine leichte systolische Hypertonie (140 mmHg) mit einem deutlich erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse vergesellschaftet ist. Während bei Hypertonikern unter 50 Jahren für das kardiovaskuläre Risiko stärker eine diastolische Blutdruckerhöhung verantwortlich ist, dürfte dieses bei Personen über 60 Jahren eher vom systolischen Blutdruck abhängen. Gerade in dieser Patientengruppe ist eine isolierte systolische Hypertonie mit Werten über 140 mmHg und diastolischen von unter 90 mmHg die häufigste Form des Bluthochdruckes.

Diese Erhöhung des Pulsdruckes (Differenz aus systolischem und diastolischem Blutdruck) wirkt sich besonders ungünstig aus. Angiotensin-II-Rezeptor- Blocker wie Eprosartan senken sehr zuverlässig den Blutdruck. Dies geschieht durch die selektive AT1-Rezeptorblockade. Das im Körper zirkulierende Angiotensin-II kann in der Folge nicht mehr am Typ-1 Rezeptor binden, wohl aber am Typ-2 Rezeptor, der gleichsam als Gegenspieler fungiert.

Freisetzung von Noradrenalin reduziert

Die Besetzung des AT2-Rezeptors mit Angiotensin-II stimuliert dabei zusätzlich die gegen den Bluthochdruck gerichteten positiven Effekte. Die Framingham-Studie zeigte aber auch die Beziehung zwischen Herzfrequenz und kardiovaskulären Ereignissen: Beispielsweise steigt die Häufigkeit eines plötzlichen Herztodes oder eines Myokardinfarktes mit erhöhter Herzfrequenz an. Ein erhöhter Sympathikotonus und eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteronsystems führen über vaskuläres Wachstum, Hyperinsulinämie und Insulinresistenz zur Entwicklung einer Hypertonie und Atherosklerose. Durch die Hemmung präsynaptischer AT1-Rezeptoren gelingt es mittels Eprosartan, die Freisetzung von Noradrenalin zu reduzieren. Dieser Effekt ist ausgeprägter als bei anderen Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern, bei denen er gar nicht oder nur in geringem Ausmaß vorhanden ist.

Geringes Interaktionspotenzial

Das ist möglicherweise in der chemischen Struktur der Substanz begründet: Eprosartan unterscheidet sich als ein Derivat der Imidazol-5-Acrylsäure chemisch von anderen Angiotensin-II-Antagonisten, die eine Biphenyltetrazolstruktur besitzen. Von Bedeutung ist auch, dass Eprosartan nicht durch das Cytochrom-P450-System metabolisiert wird. Dadurch besitzt es ein nur geringes Interaktionspotenzial mit anderen Medikamenten, weshalb praktisch jede Kombinationstherapie ermöglicht wird.

Weitere klinische Untersuchungen

Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern wird also grundsätzlich eine gute blutdrucksenkende Eigenschaft zugeschrieben. Da Eprosartan den Sympathikus signifikant wirksamer zu inhibieren vermag als etwa Losartan, Valsartan oder Irbesartan, lässt diese Substanz eine weitere Verstärkung des antihypertensiven Effekts erhoffen. Ob die Wirkung von Eprosartan auf das sympathische Nervensystem auch klinisch zu einer effektiveren Senkung des systolischen Blutdrucks führt und Eprosartan damit wirksamer als andere Angiotensin- II-Rezeptor-Blocker in der Behandlung des isoliert systolischen Blutdrucks ist, muss erst in klinischen Untersuchungen geklärt werden.

Dr. Martina Zach, Ärzte Woche 37/2001

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