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Innere Medizin 30. Juni 2005

Pneumokokken-Infektionen vorbeugen

Allein in Österreich sterben jährlich etwa 1.800 ältere Menschen an den Folgen einer Pneumokokken-Pneumonie. Diese Todesfälle wären zu einem großen Teil vermeidbar. Doch leider wird von der Schutzimpfung gegen eine Pneumokokken-Infektion viel zu wenig Gebrauch gemacht. Daher gibt es auch heuer wieder vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember 2003 eine Pneumokokken-Impfaktion.

Pneumokokken-Infektionen können vor allem für Säuglinge und ältere Menschen eine tödliche Bedrohung darstellen.
"Vergleichen wir die Situation beispielsweise mit SARS, das die Welt in Angst und Schrecken versetzt hat, stellt die Pneumokokken-Pneumonie eine noch wesentlich größere Bedrohung dar. Jährlich erkranken in Österreich zwischen 8.000 und 20.000 Personen. Altersabhängig liegt die Letalität zwischen 8 und 44 Prozent. Schätzungen zufolge sterben durchschnittlich etwa 1.800 vorwiegend ältere Menschen an einer invasiven Pneumokokken-Pneumonie. Die Todesrate liegt unter anderem auch deshalb so hoch, weil es bereits zahlreiche Antibiotika-resistente Pneumokokken-Stämme gibt", erklärte Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Institut für Pathophysiologie der Universität Wien, im Rahmen einer Pressekonferenz von Aventis Pasteur MSD.
Guten Schutz kann die Impfung bieten. In Österreich steht für Personen ab dem zweiten Lebensjahr ein bewährter Impfstoff aus gereinigten Kapselpolysaccharid-Antigenen von jenen 23 Pneumokokken-Serotypen zur Verfügung, die für etwa 95 Prozent der invasiven Pneumokokken-Infektionen verantwortlich sind.
Die Immunität tritt zwei bis drei Wochen nach der Impfung ein. Die Schutzrate durch die Impfung liegt je nach Alter zwischen 67 bis 93 Prozent. Wiederimpfungen sind gemäß österreichischem Impfplan alle fünf Jahre vorgesehen.

Impfen: Effizienteste Art, Krankheit zu vermeiden

"Impfen ist die effizienteste Art ,Krankheit und Leid zu vermeiden und bedeutet gerade im höheren Alter Sicherheit vor Ansteckung und ein Plus an Lebensqualität. Das gilt in besonderem Maß für die Pneumokokken-Impfung. Zumal es auch in diesem Lebensabschnitt nicht um Einzelschicksale geht. Geimpfte schützen indirekt auch ihre Enkelkinder und andere Kontaktpersonen", wies Dr. Jörg Pruckner, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer, auf die enorme Bedeutung des Impfschutzes für die ältere Bevölkerung hin. Die Empfehlung des Obersten Sanitätsrats für eine Pneumokokken-Impfung für Senioren ab dem 60. Lebensjahr werde seitens der Ärzteschaft mit Nachdruck unterstützt. Denn die Pneumokokken-Pneumonie verlaufe gerade bei älteren Personen oft besonders heimtückisch und folgenschwer.
"Bei älteren Patienten kann die Infektion so dramatische Formen annehmen, dass die Betroffenen trotz adäquater antibiotischer Therapie innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Krankheitssymptome sterben. Doch nur 14 Prozent der über 60-Jährigen, also der Haupt-Risikogruppe, sind geimpft", weiß Mag. pharm. Dr. phil. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.

Wirksamkeit der Impfung durch Studie bestätigt

Die Wirksamkeit der Pneumokokken-Impfung bei Hochbetagten konnte anhand einer retrospektiven Untersuchung an insgesamt 1.077 Personen nachgewiesen werden (Wagner C. et al., Gerontology 2003; 49:246-250). Das Durchschnittsalter lag bei 82 Jahren, der älteste Teilnehmer war 92,7 Jahre alt.
"Signifikante Ergebnisse fanden sich sowohl in Bezug auf den Schutz vor Lungenentzündungen, als auch die lebenserhaltende Wirkung der Pneumokokken-Impfung", berichtet Prof. Dr. Wolfgang Popp, Ärztlicher Leiter der Gesunden Lunge - Ambulatorium für Atemwegs- und Lungenerkrankungen, Wien. "Die Pneumokokken-Impfung stellt eine der wenigen Gesundheitsvorsorgemaßnahmen bei älteren Menschen dar, die neben dem gesundheitlichen Vorteil für Betroffene auch zu beträchtlichen Kosteneinsparungen durch nicht benötigte medizinische Leistungen führt."
Körner: "Die Pneumokokken-Impfaktion vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2003 wird von Ärzten, Apothekern, einigen Krankenkassen sowie dem Impfstoff-Importeur, Aventis Pasteur MSD, getragen. Im Zeitraum der Aktion gibt es den Pneumokokken-Impfstoff zum Preis von EUR 24,05. Das von der Österreichischen Ärztekammer empfohlene Impfhonorar beträgt EUR 10. Für Personen ab 60 wird ein Zuschuss in der Höhe von
EUR 7,-- bis EUR 7,27 von den Sonderversicherungsträgern gewährt. Leider konnte dieses Jahr wieder kein bundesweiter Zuschuss der Gebietskrankenkassen erreicht werden. Der Zuschuss wird vom Preis des Impfstoffes beim Kauf abgezogen und von der Apotheke mit den jeweiligen Krankenkassen verrechnet."
Laut Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates sollten auch Säuglinge und Kleinkinder in Österreich gegen Pneumokokken-Infektionen geimpft werden. Das Gesundheitsministerium hat bisher jedoch die Aufnahme der Impfung in das kostenlose Kinder-Impfprogramm verweigert.

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