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Innere Medizin 30. Juni 2005

Meningokokken: Das sollten Sie wissen

In Wien starb kürzlich ein 17-Jähriger an einer foudroyant verlaufenden Meningokokkensepsis, ein weiteres Kind, das dieselbe Schule besuchte, erkrankte ebenfalls schwer. Die Besorgnis vieler Eltern war groß, aber auch bei den um Rat gefragten ÄrztInnen tauchten immer wieder Fragen vor allem zur Chemoprophylaxe auf. Das "Nationale Referenzzentrale für Meningokokken" an der "Bundesstaatlichen bakteriologisch-serologischen Untersuchungsanstalt Graz hat auf seiner Homepage ausgezeichnete Informationen zu Meningokokken, die wir Ihnen hier in komprimierter Form bringen.

In Österreich werden jährlich 80 bis 100 Meningokokkenerkrankungen gemeldet. Die semmelförmigen Diplokokken werden durch Aerosole verbreitet, für eine Ansteckung ist jedoch sehr enger persönlicher Kontakt, so genannter Kissing-Kontakt, zwischen zwei Menschen notwendig. Meistens kommt es bei einer Infektion mit Neisseria meningitidis lediglich zu einer Besiedelung des Rachens. Etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind Keimträger. Die Besiedelung dauert einige Monate und hat eine Wirkung ähnliche einer Impfung. Es entsteht eine wichtige, breit gestreute natürliche Immunität. Meningokokken sind sehr empfindlich: Sie können nur Sekunden außerhalb des menschlichen Körpers - weder in der Luft noch auf Haushaltsgegenständen - überleben. 

Die Entwicklung einer Erkrankung tritt selten und nur sporadisch auf. Warum es in Einzelfällen zur Erkrankung kommt, ist nicht restlos geklärt. Statistisch gesehen haben Kinder von 6 Monaten bis 4 Jahren das höchste Erkrankungsrisiko. Meningokokken verursachen hauptsächlich zwei Arten von Erkrankung: Meningitis und/oder Sepsis (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom). Die Inkubationszeit beträgt zwischen zwei und fünf Tagen. Die Letalität liegt bei unbehandelter Erkrankung bei über 50 Prozent. Die Krankheit kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. 

Labordiagnostik

Für die Mikroskopie eignen sich Liquor und Hautaspirat von allenfalls vorhandenen Petechien. Für die Kultur kommen primär Blut und Liquor in Frage. Durch die frühzeitige Antibiotikagabe bei Verdacht auf eine systemische Meningokokkeninfektion ist der kulturelle Nachweis in den letzten Jahren schwieriger geworden. Daher werden neue non-culture-Methoden zur Diagnosestellung vorangetrieben. Derzeit stehen die Serodiagnose und Polymerase Ketten-Reaktion (PCR) aus Blut und Liquor zur Verfügung. Mit Hilfe der PCR lässt sich bis zu 24 Stunden nach Antibiotikagabe die epidemiologisch wichtige Unterscheidung von Gruppe B und C treffen. Für die serologische Diagnose steht ein Antikörper-ELISA zur Verfügung.

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