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Innere Medizin 30. Juni 2005

"Malaria, Malaria, Malaria ..."

"Fieber nach einem Tropenaufenthalt tritt bei etwa 3 Prozent aller Reisenden auf und erfordert meist prompte Beachtung", sagte Dr. Hermann Laferl, Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien. Laferl zählte die drei wichtigsten Differenzialdiagnosen auf: "Malaria, Malaria und nochmals Malaria - dann kommt lange nichts. Und erst wenn Sie Malaria ausgeschlossen haben, ziehen Sie andere Ursachen in Erwägung!" Malaria ist bekanntermaßen potenziell lebensbedrohlich, aber gut behandelbar, so sie rechtzeitig erkannt wird. 

Zu unterscheiden sind reisebedingte Erkrankungen, wie Malaria oder Gelbfieber, und reiseassoziierte Krankheiten wie Influenza, Pneumonie oder eine Pyelonephritis, die während oder nach der Reise auftreten. Gelegentlich hat Fieber nach einer Reise aber auch nichts mit dem Auslandsaufenthalt zu tun: Laferl berichtete die Krankengeschichte eines Patienten mit subfebrilen Temperaturen nach einer Tropenreise, bei dem dann in weiterer Folge ein Ösophaguskarzinom gefunden wurde. Als häufigste Fieber-Ursachen nach einem Tropenaufenthalt finden sich in der Statistik der Infektions- und Tropenmedizinabteilung des Kaiser-Franz-Josefspitals Malaria, respiratorische und Harnwegsinfekte, Dengue-Fieber, Enteritiden, Typhus, Rickettsiosen und der Amöben-Leberabszess.

"Erheben Sie eine genaue Anamnese mit detaillierten Angaben zu Reiseziel und Reisedauer", rät Laferl. "?m Freitag vor drei Wochen aus Afrika zurückgekommen?reicht nicht aus. Fragen Sie genau nach: Viele Menschen reisen so häufig, dass sie sich an die ein oder andere Reise gar nicht mehr erinnern." Weitere wichtige Fragen betreffen die Malariaprophylaxe, Impfungen, Sexualkontakte sowie Vorerkrankungen. Eine genaue körperliche Untersuchung sei anzuschließen, auf Leitsymptome wie gastrointestinale Beschwerden, Hautveränderungen oder Ikterus zu achten. Nicht unwesentlich ist auch die Inkubationszeit. 

"Bei Fieberbeginn länger als drei Wochen nach der Rückkehr können Sie vieles schon ausschließen: so Dengue-Fieber, Japan B-Enzephalitis, Rickettsiosen und virushämorrhagische Fieber", so der Experte. Das Dengue-Fieber hat eine Inkubationszeit von 5 bis 8 Tagen, bei Japan B Enzephalitis beträgt sie 1 bis 2 Wochen, bei Rickettsiosen 3 bis 20 Tage. Lange Inkubationszeiten bis zu einem halben Jahr oder länger habe auch die Malaria, hier vor allem Infektionen mit Plasmodium vivax, der Leber-Amöbenabszess, die viszerale Leishmaniose (Kala Azar), die Schistosomiasis (und hier das Katayama Syndrom), virale Hepatitiden sowie HIV. Bei Verdacht auf letztere Infektion könne eine PCR weiterhelfen, wenn der ELISA-Test noch negativ ist. Als erster diagnostischer Hinweis bei Fieberzuständen kann die Leukozytenzahl dienen: finden sich Werte unter 4.000/ml, kommen das Dengue-Fieber, Rickettsiosen, Typhus oder Malaria in Frage, bei Werten von über 10.000/ml der Amöbenleberabszess, Leptospirosen oder auch Malaria. "Dann brennt aber schon der Hut", warnt Laferl. Generell wird die Abklärung eines Status febrilis bei Tropenrückkehrern aber Spezialabteilungen überlassen bleiben.

Info: Leishmaniose und Schistosomiasis

Leishmanien (Protozoen) werden durch Sandfliegen (in den Tropen/Subtropen/Mittelmeerländern) übertragen: drei Manifestationstypen: Hautleishmaniose (Orientbeule), Schleimhautleishmaniose und viszerale Leishmaniose (Kala Azar) mit Fieber, Splenomegalie, Diarrhoe, bei Europäern oft abrupter Beginn mit hohem Fieber, Toxämie, Dypnoe, akuter Anämie, Letalität der viszeralen Form unbehandelt 80 bis 90 Prozent! Nachweis mittels Blutausstrich oder serologisch. 

Katayama-Fieber: Akute Schistosomiasis mit Fieber, Schüttelfrost, Diarrhoe, Husten. Die Infektion mit Schistosomen erfolgt bei Kontakt mit Süßwasser, das infektiöse Larven (Zerkarien) enthält. Diese durchdringen die Haut (Frühsymptom "swimmer? itch" nach 5-12 Stunden, Zerkariendermatitis) und wandern über Lunge und Leber in die Venen des Darms oder der Harnblase. Diagnostik: mikroskopischer Nachweis der Schistosomeneier in Stuhl oder Urin oder serologisch.

 

Fallgeschichte: Schwerer Verlauf einer Rickettsiose 

51-jähriger Mann bekommt nach einer Trekkingtour in Nordthailand Fieber, Kopfschmerzen, Diarrhoe sowie ein diffuses Exanthem. Am Rücken findet sich eine auffällige schwarze Pustel. Der Patient wird komatös, entwickelt ein ARDS und überlebt nach wochenlangem Aufenthalt auf der Intensivstation mit schweren kognitiven Defiziten, einer Gangataxie und ist zusätzlich blind, taub. 

Erreger der Rickettsiose sind Rickettsien, die weltweit verbreitet sind, Krankheitsbilder: Fleckfiebergruppe (z.B. Rocky Mountains Spotted Fever) oder die Typhusfiebergruppe "scrub typhus" bzw. das so genannte Tsutsugamushifieber ist in Südostasien weit verbreitet und wird durch Milben übertragen, typisch ist ein schwarzer Schorf am Eintrittsort der Erreger!, Nachweis serologisch.

Quelle: Vortrag im Rahmen der 2. Reisemedizinischen Tagung am Flughafen Wien, 21.9.2002

Dr. Irene Lachawitz, Ärzte Woche 34/2002

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