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Innere Medizin 30. Juni 2005

Körpereigene Substanz wirkt gegen Infektionen

Infektionskrankheiten stellen nach wie vor einen wesentlichen Anteil aller Erkrankungen dar. Bei der Entwicklung neuer, wirksamer und gut verträglicher Antibiotika und Antiinfektiva ist nun Prof. Dr. Waldemar Gottardi vom Institut für Hygiene und Sozialmedizin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (Vorstand: Prof. Dr. Manfred P. Dierich) mit der künstlichen Herstellung der körpereigenen Substanz N-Chlortaurin ein wissenschaftlicher Durchbruch gelungen.

Diese Substanz gehört zu den so genannten "Chloraminen", welche von den weißen Blutkörperchen zum Abtöten von Krankheitserregern und auch zum Schutz bei Entzündungen gegen gefährliche Stoffe wie etwa freie Radikale gebildet werden. Nach jahrelangen Forschungen über die Wirkung dieser Stoffe zur körpereigenen Abwehr wurde es mit der Synthese von N-Chlortaurin möglich, seine Eigenschaften detailliert zu untersuchen.

Es zeigte sich, dass dieses Bio-Molekül gegen verschiedenste Krankheitserreger, wie Bakterien, Pilze und Viren, eine ausgeprägte abtötende Wirkung zeigt. Sogar sehr aggressive Bakterien verlieren bereits nach nur einer Minute in N-Chlortaurin-Lösung ihre krankmachende Wirkung, noch bevor sie abgetötet werden. Für diese Erkenntnisse wurde nicht zuletzt aufgrund ihrer Bedeutung für eine klinische Anwendung von N-Chlortaurin Dr. Markus Nagl 1999 mit dem österreichischen Hygienepreis ausgezeichnet. In ersten Studien am Menschen erwies sich N-Chlortaurin als sehr gut verträglich. So konnten bakterielle Entzündungen bei infektiöser Bindehautentzündung mit N-Chlortaurin-Augentropfen innerhalb von drei Tagen geheilt werden. Die Ergebnisse klinischer Untersuchungen von Dr. Barbara Teuchner und Mitarbeitern von der Univ.-Klinik für Augenheilkunde (Vorstand: Prof. Dr. Wolfgang Göttinger) bei Patienten, welche an einer besonders schwierig zu behandelnden epidemischen viralen Form dieser Erkrankung leiden, liegen demnächst vor.

An der Univ.-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (Vorstand: Prof. Dr. Walter Thumfart) untersucht ein Team um Dr. Andreas Neher zwei weitere erfolgversprechende Anwendungsgebiete von N-Chlortaurin. Seit kurzem ist bekannt, dass bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen häufig auf eingeatmete Pilze, die der Körper als fremd erkennt, eine überschießende immunologische Reaktion erfolgt. Wiederholte Spülungen der Nasen- und Nasennebenhöhlen mit N-Chlortaurin haben sich dabei wie am Auge als sehr gut verträglich erwiesen. Zudem kam es beim Großteil der Patienten zu einer Besserung von Symptomen wie behinderter Nasenatmung, Kopfschmerzen und vermindertem Riechvermögen. 

Weiters erwies sich N-Chlortaurin bei Entzündungen des äußeren Gehörganges, welche häufig durch Problemkeime (v.a. Pseudomonas aeruginosa) verursacht werden, als sehr wirksam, besonders bei schwerwiegenden, mit Antibiotika nicht zu beherrschenden Verläufen dieser Entzündung. Nach den bisherigen Forschungen zeigt N-Chlortaurin eine sichere Wirkung gegen ein breites Spektrum von Krankheitserregern, ohne dass es dabei zu einer Resistenzentwicklung kommt.  Als körpereigene Substanz ist sie sehr gut verträglich und kann ohne konservierende Zusatzstoffe angewandt werden, wodurch keine allergischen Nebenwirkungen auftreten können. Weitere Studien zur klinischen Wirksamkeit bei Infektionen in der Augenheilkunde, HNO-Heilkunde und anderen klinischen Fachgebieten befinden sich in Durchführung bzw. Planung.

Quelle: Pressemitteilung vom 2.05.2002

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