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Vor allem die intravenöse Applikation von Glukokortikoiden steht in Zusammenhang mit einem erhöhten Thromboserisiko.
 
Innere Medizin 6. September 2013

Hinweise auf kausalen Zusammenhang

Kortisontherapie mit erhöhtem Risiko für venöse Thromboembolien assoziiert.

Vor allem die systemische Applikation von Glukokortikoiden ist mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien (VTE), besonders pulmonale Embolien, assoziiert. Ein solcher, wenn auch geringerer Zusammenhang, wurde in einer bevölkerungsgestützten Fall-Kontroll-Studie auch bei oraler Applikation und Verwendung von intestinal wirksamem Kortison gezeigt.

Unter der Rubrik „Nebenwirkungen“ wird in der Fachinformation etwa für Hydrocortisonpräparate eine Erhöhung des Thromboserisikos genannt. Um den Zusammenhang zwischen Glukokortikoidanwendung und VTE aufzudecken, werteten dänische Endokrinologen unter anderem aus Aarhus das nationale Patientenregister mit Blick auf die Häufigkeit von VTE und Lungenembolien aus (Johannesdottir SA et al. JAMA Intern Med 2013;173(9):743-752). Für die Studie standen Daten von fast 38.800 VTE-Patienten und mehr als 387.000 Personen der Bevölkerung als Kontrollgruppe zur Verfügung. 57,7 Prozent der Patienten hatten eine idiopathische VTE. Bei mehr als 60 Prozent lag eine Beinvenenthrombose vor, fast 40 Prozent hatte eine Lungenembolie.

Risiken wie COPD und Diabetes bei Analyse berücksichtigt

Ziel der Untersuchung war, mithilfe des statistischen Verfahrens der logistischen Regression die adjustierten Inzidenzverhältnisse (IRR) abzuschätzen, und zwar unter Berücksichtigung der verschiedenen VTE-Risiken. Dazu gehörten zum Beispiel kardiovaskuläre Erkrankungen und entsprechende Therapeutika, COPD, Asthma, Diabetes und Autoimmunerkrankungen sowie Infektionen und Antibiotika-Einnahme. Berücksichtigt wurde zudem, wie lange vor dem Auftreten der VTE die Glukokortikoidanwendung erfolgt war (maximal 90 Tage, zwischen 91 und 365 Tagen oder länger als ein Jahr zuvor).

Bei Patienten, die maximal 90 Tage vor dem thrombotischen Ereignis mit systemischen Glukokortikoiden behandelt worden waren, lag der IRR-Wert bei 2,31. Die Thromboseinzidenz war also um mehr als das Zweifache erhöht. Der Wert lag sogar bei 3,03, wenn nur jene Patienten betrachtet wurden, die erstmals mit Glukokortikoiden maximal 90 Tage vor dem Ereignis behandelt worden waren. Lag die Behandlung in einem Zeitraum zwischen 91 Tagen und einem Jahr vor der VTE, errechnete sich die IRR zu einem Wert von 1,18.

Erhöhte Inzidenz bei hoher Dosis

Der Analyse zufolge gab es einen Trend zu höheren IRR-Werten bei Patienten mit Lungenembolie im Vergleich zu Patienten mit Beinvenenthrombosen. Bei systemischer Therapie maximal 90 Tage vor dem Ereignis lagen die adjustierten Werte bei 2,72 versus 2,00, und wenn es die erste Glukokortikoidtherapie überhaupt war, bei 3,91 versus 2,46. Die Unterschiede waren allerdings bei anderen Applikationsarten weniger deutlich. Je höher die kumulative Glukokortikoiddosis war, orientiert am Prednisolonäquivalent, umso höher war die Thromboseinzidenz. Der IRR-Wert stieg von 1,00 bei einer kumulativen Dosis von maximal 10 mg auf 1,98 bei einer Dosis zwischen 1000 und 2000 mg und sank wieder auf 1,60 bei einer kumulativen Dosis über 2000 mg. Auch die inhalative Applikation (IRR = 2,21) und die Anwendung intestinalwirksamer Glukokortikoide (IRR = 2,17) waren mit einer erhöhten VTE-Inzidenz assoziiert.

In einem Kommentar zur Studie wird daran erinnert, dass aufgrund der Art der Studie Störfaktoren nicht ganz ausgeschlossen werden können. Dennoch liefere die Studie Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang, weil das Thromboserisiko zum einen bei höheren Dosierungen, zum anderen bei Patienten, die erstmals Glukokortikoide kurz vor dem Ereignis erhalten hatten, erhöht ist. Deshalb solle vor der Entscheidung für eine Glukokortikoidtherapie verstärkt auf die Nutzen-Risiko-Relation geachtet werden.

 

springermedizin.de/ple, Ärzte Woche 37/2013

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