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Innere Medizin 30. Juni 2005

Keuchhusten betrifft nicht nur Kinder

Immer häufiger erkranken Erwachsene an Keuchhusten und gefährden damit nicht geimpfte Kleinkinder. Bei Erwachsenen ist der Keuchhusten oft nicht mehr so typisch ausgeprägt wie bei Kindern.

Viele Menschen wissen nicht, dass eine Impfung keinen lebenslangen Schutz bietet. Eine Grundimmunisierung sowie eine Auffrischung werden empfohlen.

Zehn bis 15 Jahre nach einer Impfung kann der Keuchhusten wieder auftreten. Wenn der Husten länger als 14 Tage andauert, sollte man daher vorsichtshalber zum Arzt gehen. Neben einem starken Husten haben die Patienten Niesanfälle und fühlen sich abgeschlagen, Fieber ist selten. Die Symptomatik kann aber der einer Influenza ähneln, berichtet der Labormediziner Prof. Carl Heinz Wirsing von der Universität Krefeld. Bei 80 Prozent der Patienten hält der Husten länger als zwei Wochen an. Eine Leukozytose über 12.000/µl tritt nur bei einem Drittel der Betroffenen auf.

Eine Grundimmunisierung im dritten Lebensmonat ist gegen Keuchhusten wirklich effektiv. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut empfiehlt, die Impfung mit azellulären Impfstoffen zwischen dem neunten und 17. Lebensjahr wieder aufzufrischen. Zudem rät die Impfkommission zur Impfung von medizinischem Personal in der Pädiatrie und von Personal in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder. Etwa 20 Prozent aller Keuchhusten-Kranken sind Jugendliche oder Erwachsene.

Abstrich aus Nasen-Rachenraum

Das Bakterium Bordetella pertussis kann mit Hilfe eines Abstrichs im Nasen-Rachenraum identifiziert werden. Aber auch mit Gentest oder dem serologischen Nachweis von IgA- oder IgG-Antikörpern im Blut kann der Keim festgestellt werden.

Nach Angaben von Ulrich Heininger, Infektiologe an der Universität Basel, erkranken jedes Jahr in Deutschland 100.000 bis 400.000 Erwachsene an Pertussis, meistens ohne dies richtig wahrzunehmen. Gefährlich kann es werden, wenn nicht geimpfte Kleinkinder angesteckt werden. Etwa fünf Prozent aller Kleinkinder seien gefährdet und verfügten nicht über einen ausreichenden Impfschutz. Die Krankheit beginnt erst mit grippeähnlichen Symptomen, später kommt es zu stakkatoartigen Hustenanfällen.

Augengefäße können platzen

Der Husten führt zu einem so starken Druck, dass Gefäße in den Augen platzen könnten. Es gibt sogar Fälle, bei denen durch den Husten ein Leistenbruch verursacht wurde. Mit Beginn der gezielten Keuchhustenimpfung in den 60er- Jahren sanken dann die Erkrankungsraten in Deutschland rapide.

In Zukunft kann möglicherweise der Keuchhusten noch besser bekämpft werden. Forscher der Universität Cambridge haben das Erbgut des Bakteriums entschlüsselt. ?o werden krank machende Erregereigenschaften besser erkannt? sagt König. Mit dieser Erkenntnis könnte auch ein noch wirkungsvollerer Impfstoff entwickelt werden.

Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos, Abteilung für Infektionen, AKH Wien, empfielt bei Bordetella pertussis-Infektion eine Therapie mit Clarithromycin 40 bis 50 mg/kg/Tag über zehn Tage. Ebenso gut ist Erythromycin, bei Makrolidunverträglichkeit ist Cotrimoxazol sinnvoll. Weiters werden Sekretolytika, Inhalationen und kodeinhaltige Antitussiva empfohlen, bei Komplikationen wie beispielsweise Enzephalopathie eventuell Glukokortikoide

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