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Innere Medizin 30. Juni 2005

Hepatitis B: Unterschätzte Gefahr Leberkrebs

Die Gefahr einer chronischen Virushepatitis als Ursache für ein Leberkarzinom wird stark unterschätzt. Studien zeigen, dass Infizierte gegenüber der Normalbevölkerung ein 30- bis 200-fach erhöhtes Risiko haben, an Leberkrebs zu erkranken.

Weltweit sind etwa zwei Milliarden Menschen mit dem Hepatitis B-Virus infiziert. Ungefähr 400 Millionen sind chronische Virusträger, davon werden laut Schätzungen etwa 65 Millionen an den Folgen dieser Erkrankung sterben. Die Hepatitis B-Infektion steht an zehnter Stelle der Todesursachen weltweit.

Ansteckung über Virusträger

Das Gefährliche: Viele Virusträger wissen nichts von ihrer Infektion, da die akute Phase der Infektion oft sehr mild und dadurch unbemerkt verläuft. Bei etwa jedem zehnten Infizierten wird die zunächst oft harmlos verlaufende Leberentzündung chronisch.

Hepatitis B kann also auch von scheinbar gesunden Menschen übertragen werden. Chronisch mit Hepatitis B infizierte Personen sind dann so genannte Virusträger, bei denen das Virus in großen Mengen im Körper vorhanden ist. Diese Personen können über Monate und Jahre ansteckend bleiben und die Krankheit, ohne es zu wissen, auf die Familie oder Personen aus dem Umfeld übertragen.

Die chronische Hepatitis B kann nach Jahren spontan ausheilen, in vielen Fällen bleibt sie aber lebenslang bestehen und führt zu Leberzirrhose und zum Leberkarzinom. Oft ist eine Lebertransplantation der letzte Ausweg.

Aber: Gegen Hepatitis B gibt es einen wirksamen Impfstoff, der hervorragenden Schutz garantiert. Nach Meinung von Experten ließen sich dadurch viele Fälle von Leberkrebs vermeiden.

Impfbewusstsein fördern

"Das Risikobewusstsein der Bevölkerung ist gerade in Bezug auf Hepatitis noch nicht stark genug ausgeprägt. In Österreich dürften rund 42.000 Menschen chronisch mit dem Hepatitis B-Virus infiziert sein. Von diesen werden voraussichtlich 800 an Leberzirrhose und 400 an Leberkarzinom erkranken. Es ist daher äußerst wichtig, Aufklärung zu betreiben und bei der Hepatitis bestehende Impflücken zu schließen", mahnte kürzlich Dr. Jörg Pruckner, Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte der Österreichischen Ärztekammer im Rahmen einer Pressekonferenz.

"Aber man muss nicht in die Ferne reisen, um sich mit Hepatitis anzustecken", betont Univ.-Prof. Dr. Franz Ambrosch, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Nord in Wien und Präsident des Österreichischen Impfkomitees (ÖIK). "Das Hepatitis B-Virus wird über alle Körperflüssigkeiten, insbesondere über Blut, Speichel und Schweiß übertragen. Schon die gemeinsame Benützung von Handtüchern, Zahnbürsten oder Rasierapparaten kann zu einer Ansteckung mit dem gefährlichen Virus führen.

Das Virus ist so robust, dass es längere Zeit außerhalb des Körpers überleben kann und theoretisch jede Türschnalle und jeder Haltegriff zur Infektionsgefahr werden kann." Das Hepatitis B-Virus ist hochinfektiös, etwa 100 Mal ansteckender als HIV. Behandelbar ist Hepatitis B bislang nicht. "Den einzig wirksamen und dauerhaften Schutz vor Hepatitis B bietet die Impfung. Sie kann in jedem Lebensalter begonnen werden und bietet eine Möglichkeit, Leben zu retten", erklärt Prof. Ambrosch.

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