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Innere Medizin 9. November 2005

Und was wissen Sie über Puumula?

Die Spezialisten vom Institut für Virologie in Wien haben in diesem Jahr schon 39 Infektionen von Menschen mit dem Puumala-Hanta-Virus registriert, das über Rötelmäuse übertragen wird. In den vergangenen Jahren waren es jeweils nur sieben bis 16 Fälle, so Doz. Dr. Stephan Aberle vom Institut für Virologie Wien. In Österreich kommt die Krankheit vor allem in Kärnten und in der Steiermark vor.

„In diesem Jahr konnten bereits 39 Puumalavirus-Infektionen diagnostiziert werden. Das ist ein starker Anstieg im Vergleich zu den letzten Jahren, in denen zwischen sieben bis 16 Infektionen jährlich erfasst wurden. Die saisonale Verteilung der 98 Puumala-Fälle der vergangenen zehn Jahre zeigt, dass die meisten Infektionen im Spätsommer und Herbst aufgetreten sind. Umgerechnet auf die heurige Saison könnte das bedeuten, dass mit bis zu 80 Fällen zu rechnen ist“, so Aberle.

Jäger besonders gefährdet

Der Experte weiter: „Dieser enorme Anstieg lässt sich durch eine verbesserte Aufklärungsrate sowie durch eine periodisch vorkommende Populationszunahme des natürlichen Wirtes, der Rötelmaus, erklären. In den letzten Jahren führten die diagnostizierten Puumala-Fälle in den verschiedensten Spitälern, vor allem in den bekannten Endemiegebieten Kärntens und der Steiermark, zu einer zunehmenden Kenntnis des klinischen Bildes dieser Virusinfektion.“ Das habe die Voraussetzung für den Nachweis der zahlreichen Fälle in diesem Jahr geschaffen. „Der enorme Unterschied in der Anzahl der erfassten Fälle zwischen dem Vorjahr und heuer mit möglicherweise über 80 Fällen kann aber nur mit einer Zunahme der Populationsdichte des natürlichen Reservoirs, der Rötelmaus, erklärt werden.“ Die Rötelmaus ist vor allem an Waldrändern in ganz Österreich beheimatet. Nur diese Mäuse können mit dem Puumalavirus persistierend infiziert werden und das Virus mit dem Harn, Kot und Speichel ausscheiden. Die Ansteckung des Menschen erfolgt üblicherweise durch Aerosol-Inhalation von eingetrockneten virushältigen Exkrementen. Personen, die sich in ihrer Freizeit oder aus beruflichen Gründen in den Lebensbereich der Rötelmaus begeben wie Förster, Jäger, Waldarbeiter und Landwirte, haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. In Österreich sind sehr häufig nicht ganzjährig bewohnte Häuser oder Hütten in Waldrandnähe in Seehöhen über 800 Meter, oder Schuppen und Nebengebäude der wahrscheinlichste Ansteckungsort. Obwohl die Rötelmaus in ganz Österreich vorkommt, konnten Puumalavirus-Infektionen bisher hauptsächlich in Kärnten und der Steiermark nachgewiesen werden. Einige Puumala-Fälle wurden auch in Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland diagnostiziert und kürzlich auch 2 Fälle in Salzburg im Raum Tamsweg (siehe Abb.).
Nach einer Inkubationszeit von 2-4 Wochen tritt das klinische Bild der Puumalavirus-Infektion, die Nephropathia epidemica, auf, typischerweise gekennzeichnet durch abrupten Beginn mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Kopfschmerzen. In der Folge werden häufig Bauch-, Lenden- und/oder Rückenschmerzen angegeben. Auch Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfälle können in der Frühphase auftreten. 4 bis 10 Tage nach Krankheitsbeginn kommt es zum Bild des akuten Nierenversagens mit Oligurie beziehungsweise Anurie. Richtungsweisende Laborparameter in der Initialphase sind die oft ausgeprägte Thrombozytopenie und die Proteinurie mit Mikrohämaturie. Die klinischen Symptome sind nicht immer eindeutig, und es sollte daher bei allen akuten fieberhaften Erkrankungen mit Zeichen einer Nierenfunktionsstörung differentialdiagnostisch an eine Puumalavirus-Infektion gedacht werden. Es kann durchaus zu sehr schweren Krankheitsverläufen kommen, wobei sie aber insgesamt eine gute Prognose, mit einer Letalität von unter 0,2%, hat. Jeder Verdachtsfall muss serologisch abgeklärt werden.

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Quelle: Virusepidemiologische Information 17/2004

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