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Innere Medizin 9. November 2005

Lungenentzündung: Erreger im Urin nachweisen

Um einer Resistenzentwicklung bei der Behandlung von Lungenentzündungen durch zu breit wirkende Antibiotika vorzubeugen, wird von Pulmologen ein Erregernachweis im Harn empfohlen.

Ein Umlenken bei der Behandlung von Lungenentzündungen haben Fachmediziner in Frankfurt gefordert. Die gängige Diagnose anhand von Bronchialsekret sei überholt, lautet ein Zwischenergebnis der größten deutschen Studie zu Lungenentzündungen. Sicherer sei es, den Erreger im Urin nachzuweisen. In Hausarztpraxen würden Patienten oft mit zu breit wirkenden Antibiotika übertherapiert, berichteten Mediziner auf dem 45. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, an dem 3.000 Lungenfachleute teilnahmen.

Zu breit wirkende Antibiotika

„Obwohl mehr Menschen wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus kommen als nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, herrscht eine völlig unzureichende Datenlage“, sagte Prof. Norbert Suttorp vom Berliner Universitätsklinikum Charité. Das vor zwei Jahren gegründete Netzwerk CAPNetz (Kompetenznetz ambulant erworbener Pneumonien) soll das in Deutschland ändern. Durch den Zusammenschluss von Forschungszentren, Kliniken, Labors und Ärzten sollen die Krankengeschichten von über 6.000 Patienten dokumentiert und analysiert werden. Das Zwischenergebnis deckt große Lücken im bisherigen Wissen über die Erreger der Lungenentzündung auf. Den CAPNetz-Ergebnissen zufolge sind am häufigsten Pneumokokken schuld, gefolgt von Influenza-Viren und Legionellen. Chlamydien seien fast nie gefunden worden, obwohl sie in allen Lehrbüchern als Ursache genannt würden, sagte der Sprecher.
Für überholt hält CAPNetz die Analyse von Bronchialsekret. Der Auswurf sei nicht geeignet, den Erreger zu identifizieren. Nur in zwei von zehn Fällen lasse sich darin der Erreger finden. „Die Sputum-Diagnostik hat sich erledigt. Wir müssen stattdessen die Urin- Diagnostik ausbauen“, so Suttorp. „Niedergelassene Ärzte neigten dazu, aus Unsicherheit zu breit wirkende Antibiotika einzusetzen“, beklagte Suttorp. Diese Übertherapie im ambulanten Bereich berge das Risiko, dass Erreger resistent werden. Besser sei es, den Erreger im Urin zu bestimmen und gezielt ein maßgeschneidertes Antibiotikum zu geben.

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