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Allgemeinmedizin 30. Juni 2005

FSME: Generation „50 plus“ ist besonders gefährdet

„Nicht nur die Inzidenz der Früh-Sommer-Meningoenzaphalitis nimmt deutlich zu, sondern auch der Schweregrad der Erkrankung in der Akutsymptomatik sowie in den Langzeitfolgen“, warnt Prof. Dr. Michael Kunze, Wien.

Der Vorstand des Instituts für Sozialmedizin, Universität Wien, riet gemeinsam mit anderen Experten anlässlich der 7. Tagung der International Scientific Working Group on TBE (durch Zecken übertragene Encephalitis) Mitte Jänner in Wien zur FSME-Impfung. Besonders gefährdet sind Menschen ab dem 50. Lebensjahr, denn sie sind aktiver und mobiler als früher, gleichzeitig altern jedoch die Abwehrkräfte. Bei den „Golden Agers“ nimmt die Erkrankung, hoch signifikant häufiger als bei Jüngeren, einen schwereren, enzephalitisch-myelitischen Verlauf (65 Prozent versus 43 Prozent). Dies zeigte eine Studie von Prof. Dr. Reinhard Kaiser, Chefarzt der Neurologischen Klinik Pforzheim, der die Daten von 1.008 Patienten, die im Zeitraum 1994 bis 2003 in Deutschland an FSME erkrankten, untersuchte. Bei den über 50-Jährigen wurden signifikant häufiger Bewusstseinsstörungen (Somnolenz oder Koma), delirante Zustandsbilder mit Des­orientiertheit, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen von Armen und/oder Beinen, Gesichtslähmungen, Hör-, Schluck- und Sprechstörungen sowie beatmungspflichtige respiratorische Insuffizienzen beobachtet. Über 50-Jährige wurden signifikant häufiger auf Intensivstationen behandelt und waren länger stationär aufgenommen. Rehabilitationsmaßnahmen waren ebenfalls häufiger erforderlich. Außerdem hatten über 50-Jährige deutlich häufiger bleibende Funktionsstörungen und Beschwerden. Die Sterberate aufgrund der FSME war bei über 50-Jährigen 15 Mal höher als bei den Jüngeren. Zu den endemischen FSME-Gebieten Europas gehören die baltischen Staaten. Prof. Dr. Aukse Mickiene, Univ.-Klinik für Infektionskrankheiten, Kaunas, Litauen, untersuchte 133 von 548 in Litauen 1998 registrierte FSME-Fällen. Während jüngere Patienten in 70 Prozent eine milde, meningeale FSME-Form bekamen, hatten 80 Prozent der Patienten über 45 Jahre einen gemäßigten oder schweren enzephalitischen Verlauf. Mickiene: „Falls man das Akutstadium überlebt, besteht eine 50-prozentige Chance, keine Dauerschäden davonzutragen. Je schwerer der akute Krankheitsverlauf war, desto schwerer die Folgeschäden.“

Impfintervalle einhalten

Prof. Dr. Beatrix Grubeck-Loebenstein, Direktorin am Institut für Biomedizinische Altersforschung, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Innsbruck: „Die zunehmende Schwere des ­FSME-Verlaufs mit steigendem Alter ist am ehesten durch die abnehmende Funktion des Immunsystems zu erklären. Durch die Involution des Thymus werden weniger naive T-Lymphozyten produziert. Der Körper muss mit den vorhandenen auskommen und sie immer wieder benützen. Das ist auch der Grund für den schlechteren Impferfolg bei älteren Menschen.“ Deshalb sollte gerade bei Älteren auf die strikte Einhaltung der empfohlenen Impfintervalle geachtet werden.„Das allgemein steigende Risiko, an einer FSME zu erkranken, ist durch die zunehmende Virusprävalenz bedingt“, so Prof. Dr. Jochen Süss, Leiter des Nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten, Friedrich-Löffler-Institut, Jena. In einem Forschungsprojekt konnte nachgewiesen werden, dass es während des Saugvorganges der Zecke am Menschen zu einer massiven Virusvermehrung kommt. „Je länger der Saugvorgang dauert, desto höher ist die abgegebene Viruslast. Die Zecke sollte deshalb sofort entfernt werden.“ Wie macht man es richtig: Mit der Pinzette den Übeltäter möglichst weit vorne am Kopf packen und ihn dann gerade herausziehen.

Dr. Sabine Schneider, Ärzte Woche 7/2005

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