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Innere Medizin 30. Juni 2005

Doppelte Handschuhe als Schutz vor Infektionen

Wie können sich Kollegen effektiv vor einer Ansteckung mit gefährlichen Erregern wie dem Hepatitis B-, dem Heptatitis C- oder dem HI-Virus schützen? Wichtigste präventive Maßnahhme ist die optimale Hygiene, etwa die Nutzung von Handschuhen. Doch die können kaputtgehen, ohne dass dies bemerkt wird. Ein doppelter Handschuh mit Indikatorfunktion bietet erhöhte Sicherheit.

Die Tätigkeit in der Pflege, im OP und in der Arztpraxis gehört nach wie vor zu den beruflichen Hochrisikobereichen: Viele Beschäftigte erkranken Jahr für Jahr an Infektionen mit dem Hepatitis-B-(HB), dem Hepatitis-C-(HC) oder dem HI-Virus.

Hochrisikobereiche: Arztpraxis und Operationssaal

Fast alle HBV-Infektionen wären dank der effizienten Schutzimpfung vermeidbar, im Gegensatz zu HCV und HIV: Interferon/Ribavirin bei HC-Ausbruch oder die Verabreichung antiretroviraler Medikamente nach der HIV-Exposition sind derzeit die einzigen Behandlungsmaßnahmen. Um so mehr versucht die Sicherheitstechnik schon seit Jahren, Verletzungen an spitzen und scharfen blutigen Gegenständen, die Erregern den Weg bahnen, erst gar nicht entstehen zu lassen. Zu diesen Maßnahmen gehören:

  • eine effiziente, sichere Arbeitsorganisation – vor allem im Operationssaal,
  • fachgerechte Entsorgung von Skalpellen, Kanülen und ähnlichen Gegenstände in durchstichsicheren Behältern,
  • die Verwendung sicherer Instrumente, die nach Gebrauch etwa stumpf werden,
  • die Benutzung geeigneter medizinischer Handschuhe.

Gerade bei der letztgenannten Kategorie gibt es in jüngster Zeit interessante Neuentwicklungen. Und zwar wird ein Defekt im Handschuh oft nicht bemerkt, wie eine groß angelegte Untersuchung an der Universität Wuppertal, Deutschland, zu Tage brachte: Nach operativen Eingriffen wiesen zwischen 10 und 20 Prozent der von den Operateuren als intakt bezeichneten Handschuhe eine oder mehrere Perforationen auf – in diesen Fällen muss es also während des Eingriffs Verletzungen gegeben haben. Deshalb geht es bei der Infektionsverhütung in erster Linie um das Sichtbarmachen von Perforationen im Handschuh: Nur wenn Kollegen wissen, dass sie sich verletzt haben, können sie entsprechend reagieren – und defekte Handschuhe ersetzen.
Neue Daten aus der sicherheitstechnischen Forschung belegen, dass die Ideallösung darin besteht, doppelte Handschuhe mit Indikatorsystem zu tragen: Dieses besteht aus zwei verschiedenen Handschuhen, einem grünen Unterzieh- und einem neutralfarbenen Außenhandschuh. Grüner Fleck zeigt Perforation eines Handschuhs an Wird Letzterer bei der Operation perforiert, dringt die bei jedem Eingriff vorhandene Flüssigkeit zwischen die beiden Schichten und sorgt dafür, dass der untere Handschuh durchscheint und ein gut sichtbarer grüner Fleck entsteht, der deutlich größer ist als die eigentliche Perforation. Bemerkt jemand den Fleck, wird der Handschuh gewechselt. Wie effizient das System arbeiten kann, wurde kürzlich deutlich, als alle Studien zur Handschuhsicherheit weltweit miteinander verglichen wurden: Bei der Analyse von 376 Perforationen wurden bei der Verwendung herkömmlicher doppelter Op-Handschuhe dreimal weniger Löcher entdeckt als bei der Nutzung von Indikator-Handschuhen. Zudem wurde in einer prospektiven Studie gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeiten einer Kontamination mit Blut bei der Verwendung solcher Handschuhe von 13 auf zwei Prozent sinkt.

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