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Innere Medizin 30. Juni 2005

WHO-Zertifikat "Polio-frei" für Europa

Hannover. Erstmals in der Geschichte besteht jetzt die Chance, dass Europa das WHO-Zertifikat "Polio-frei" bekommt. Vor allem auch Ärzte in Deutschland können jetzt helfen, durch Meldedisziplin bei schlaffen Lähmungen zum Erwerb des Zertifikats beizutragen.

Keine Infektionen mit dem Wildvirus mehr

Die Datenlage für die Deklarierung wird in Deutschland von der WHO als ausgezeichnet beurteilt, berichtet die Nationale Kommission für die Polioeradikation in Hannover. So habe es in den vergangenen drei Jahren in Deutschland und anderen europäischen Ländern keine autochton erworbenen Erkrankungen mit Wildvirus mehr gegeben. Die 51 Staaten der Region - zu denen auch die Türkei und Israel gehören - mussten jetzt bis Ende Dezember eine Bewertung ihrer Poliosituation beim WHO-Regionalbüro in Kopenhagen abgeben. Dort werde jetzt über die Deklaration entschieden.

Überwachungssystem noch nicht perfekt

In Deutschland wurden die WHO-Auflagen dafür weitgehend erfüllt, berichtet der Kommissionsvorsitzende Professor Adolf Windorfer aus Hannover. Sorgen macht der Kommission allerdings das Polio-Überwachungssystem. Nach WHO-Auflagen müssen alle Kinder unter 15 Jahre, die mit polioähnlichen Symptomen in die Klinik kommen, auf Poliovirus untersucht werden. Kontrolliert wird das Meldesystem dabei anhand der gemeldeten akuten schlaffen Lähmungen (acut flaccid paralysis, AFP), die das Poliovirus zwar höchstwahrscheinlich nicht verursacht, die aber trotzdem auf mögliche Polioinfektionen abgeklärt werden müssen.Etwa 130 solcher AFP-Erkrankungen wären in Deutschland nach Schätzungen zu erwarten. Zur Zeit werde jedoch nicht einmal jede zweite dieser Lähmungen durch das Überwachungssystem erfasst, so die Kommission. Windorfer appelliert daher an Ärzte, die bei Kindern zum Beispiel eine Lähmung des Rückenmarks (Myelitis transversa) mit bildgebenden Verfahren diagnostizieren, eine Stuhluntersuchung auf Polioviren zu veranlassen.

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