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Innere Medizin 30. Juni 2005

Ökonomie kontra Ethik in der Medizin

In einer kürzlich erschienenen Publikation eines deutschen Wirtschaftswissenschafters wird das Thema der Pneumokokkenimpfung aus gesundheitsökonomischer Sicht behandelt. Gleich vorweg: Die Impfung steigt hervorragend aus, sie birgt ein enormes Sparpotenzial.

Die Beiträge zum Thema "Pneumokokken und Wirtschaftlichkeit"wurden vor wenigen Wochen durch eine wichtige Arbeit ergänzt. Im Fachjournal"Pharmacoeconomics" erschien eine Arbeit zum Thema "Kosteneffektivität der Pneumokokkenimpfung in Deutschland".
Autor ist der Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Johann-Matthias Graf von Schulenburg, der an der Universität Hannover das Institut für Versicherungsbetriebslehre leitet.
Seine Publikation erläutert detailliert die Kostenbedeutung der Erkrankungsbilder, die aufgrund der Pneumokokken-Impfung von Kleinkindern bis zum 2. Lebensjahr vermieden werden könnten (siehe Tab.).
Diese Ergebnisse sind durchaus auf Österreich übertragbar. Die Gesamtkosten der Pneumokokkeninfektionen liegen nach Schulenburg in Österreich bei etwa acht Millionen Euro jährlich. In Summe wären mit der Impfung mehr als 45.000 Erkrankungsfälle pro Jahr zu verhindern.
Berücksichtigt wurden dabei die wichtigsten Krankheitsbilder, die auf eine Pneumokokkeninfektion zurückgehen: Meningitis, Sepsis, Pneumonie und Otitis media.
Charakteristisch ist, dass auch in der Otitis media ein beachtliches Sparpotenzial steckt. Grund dafür ist die enorme Häufigkeit bakterieller Mittelohrentzündungen und die hohe Beteiligung der Pneumokokken an dieser Erkrankung.
Bei den Überlegungen zur allgemeinen Empfehlung der Pneumokokken-Impfung für Kleinkinder bis zum 2. Lebensjahr seitens des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates standen medizinisch mit Sicherheit die beiden dramatischen Verlaufsformen Meningitis und Sepsis im Vordergrund.
Aber schon seit geraumer Zeit weisen praxisorientierte Pädiater wie etwa Prof. Dr. Karl Zwiauer, St. Pölten, oder der Impfexperte Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Wien, wiederholt darauf hin, dass auch die weniger "gefährliche" Otitis media bei der Beurteilung der Kosteneffi-zienz berücksichtigt werden sollte, weil sie enorm häufig ist.
Es mehren sich die Stimmen, dass die Wirtschaftlichkeit in der Medizin niemals die alles entscheidende Frage sein darf, wenn es um die Verhinderung von Todesfällen und schwersten Behinderungen geht. Dann sollte die Ethik doch eindeutig höher zählen als der Euro.

Quelle: MedCommunications

Pneumokokken-Erkrankung

  Meningitis Bakteriämie Pneumonie Otitis media Gesamt
Direkte Behandlungskosten 8,10 8.3 37,90 91,00 145,30
Pädagogische Maßnahmen 6.20 3,00     9,20
Indirekte Kosten 25.20 10,00 30,20 72,70 ^138,10
Gesamt 39,50 21,30 68,10 163,70 297,60

Die Zahlen (in EURO) der Tabelle beziehen sich auf jenen hochgerechneten Betrag, der mittels Impfung pro Kind während der ersten zehn Lebensjahre eingespart werden könnte.

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