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Innere Medizin 30. Juni 2005

Konjugierte Vakzine gegen Pneumo- & Meningokokken

Prof. DDr. Egon Marth, Institut für Hygiene der Universität Graz: "Neisseria meningitidis verursacht in Österreich jährlich zirka 100 sporadische Fälle und Ausbrüche der Meningokokken-Meningitis oder -sepsis. Besonders Jugendliche, aber auch Säuglinge sind von der Erkrankung betroffen." Die Bakterien umgeben sich mit einer Polysacharidkapsel, um so der Erkennung durch das Immunsystem zu entgehen. Die Konjugation eines Kapselpolysaccharides mit einem Protein induziert als Impfstoff auch die T-Zell-abhängige Immunantwort, die gerade im Säuglingsalter von besonderer Bedeutung ist, da die B-Zell-abhängige Immunität noch nicht so stark ausgeprägt ist. 

Derzeit stehen verschiedene MenC-Impfstoffe zur Verfügung; in England wird bereits ein MenA+C-Impfstoff klinisch getestet. Marth: "In 75 Prozent der Meningokokken-Fälle tritt in Österreich die B-Gruppe auf. Leider gibt es derzeit bei uns noch keinen diesbezüglichen Impfstoff - weder auf Basis des Kapselpolysaccharides noch auf Basis der konjugierten Impfstoffe."

Pneumokokkeninfektionen

"Infektionen durch Pneumokokken werden als häufigste invasive Infektion bei Kindern beobachtet. Die Krankheiten entwickeln sich meistens zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr. Bei Menschen über dem 55. Lebensjahr gewinnen Pneumokokken-Infektionen wieder an Bedeutung", erklärt Marth. Kinder mit bestimmten angeborenen und erworbenen Erkrankungen wie funktionelle oder anatomische Asplenie oder mit HIV-Infektion erhöhen die Letalität der Infektion um das 20- bis 100-fache. 

Seit 1985 wird die Pneumkokken-Polysaccharid-Impfung Kindern ab dem vollendeten 2. Lebensjahr empfohlen, da vorher ein immunologischer Erfolg höchst ungewiss ist.  Der konjugierte Impfstoff beteiligt nicht nur das humorale, sondern auch das zelluläre Immunnsystem. Dies bedingt ein hohes immunologisches Gedächtnis und zeigt auch im ersten Lebensjahr hohe protektive Antikörper. Der konjugierte Impfstoff ist verantwortlich für die Reduktion der Pneumonien um 73 Prozent und der Otitis media um 7 Prozent. 

Entsprechend der Empfehlung des obersten Sanitätsrates erfolgt die Impfung in den beiden ersten Lebensjahren mit einem konjugierten Impfstoff (PCV7). Nach dem 2. Lebensjahr wird die Impfung mit einem nicht konjugierten Mehrfach-Impfstoff durchgeführt. Marth: "Vor dem Hintergrund der Häufigkeit und potenziellen Gefährlichkeit der zugehörigen Krankheitsbilder sollten diese Impfungen obligatorisch durchgeführt werden. In den USA wurde die invasive Pneumokokkenpneumonie bei geimpften Kleinkindern nicht mehr beobachtet." 

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