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Innere Medizin 30. Juni 2005

Influenzaschutz für Kleinkinder

In den nächsten Wochen sind wieder viele schniefende und hustende Kinder in den Praxen zu erwarten. Bis zu drei Viertel dieser Atemwegsinfektionen sind viral bedingt, die meisten davon sind unbedeutend. Kinder mit erhöhtem Infektionsrisiko sollten jetzt aber auch gegen Viren geschützt werden.

Das Spektrum viraler Erreger bei Atemwegsinfektionen ist groß. So gibt es zum Beispiel über 100 Arten von Rhinoviren und 42 Arten von Adenoviren, von denen viele respiratorische Erkrankungen hervorrufen. Die meisten dieser Infektionen sind harmlos und klingen in wenigen Tage ohne Folgen wieder ab.
Am 24. Oktober 2003 meldete das nationale Influenza-Center in Reykjavik, Island, einen ungewöhnlich frühen Influenza-Ausbruch. Die Intensität des Ausbruches wird mit Stufe sechs angegeben, das entspricht einen flächendeckenden Ausbruch. Um welche Influenza-Virusstämme es sich dabei handelt, ist derzeit noch unklar, die Stämme werden noch analysiert. "Normalerweise zeigen sich erste Anzeichen einer Influenza-Aktivität in Europa erst ab Mitte November", erläutert Prof. Dr. Franz X. Heinz, Institut für Virologie der Universität Wien die Situation. Wann der Influenza-Ausbruch auch auf das europäische Festland übergreifen wird, kann derzeit noch nicht gesagt werden.
Der Zeitpunkt, um sich jetzt gegen Influenza impfen zu lassen, ist noch immer gut, da der Impfstoff ungefähr eine Woche benötigt, um einen ausreichenden Impfschutz aufzubauen. Auch wer sich im vergangenen Jahr impfen ließ, muss sich auch dieses Jahr wieder impfen lassen, denn der Schutz hält etwa sechs Monate.
Neu ist heuer der Influenza-Impfstoff für Kinder ab dem sechsten Lebensmonat. Kindern mit chronischen Krankheiten wie etwa mit Lungen- und Herzkreislauf-Krankheiten oder Diabetes und anderen Stoffwechselkrankheiten wird die jährliche Influenza-Impfung empfohlen. Auch für Senioren, die durch Influenza besonders gefährdet sind, sind die speziellen Impfstoffe noch vorrätig. Alle in Österreich erhältlichen Influenza-Impfstoffe sind ausreichend wirksam. Das stellte eine vor kurzem in Gmunden tagende Expertenrunde fest. Sollte also ein Impfstoff vorübergehend in einer Apotheke nicht vorrätig sein, kann der Arzt problemlos einen anderen verordnen.
Zur Zeit sind keine Influenza-Erkrankungen in Österreich bekannt. Allerdings sind die für diese Jahreszeit typischen Erkältungsviren sehr aktiv. Das "Grippemeldesystem" der Gemeinde Wien, MA 15, registrierte in der 42. Woche 12.700 Neuerkrankungen.

Influenza-Situation weltweit

Auf der südlichen Hemisphäre melden Argentinien, Madagaskar und Australien vereinzelte Influenza-Fälle mit abnehmender Tendenz. Dort geht die Influenza-Saison zu Ende. Auf der nördlichen Hemisphäre meldet neben Island auch die Region Ottawa in Kanada einen epidemischen Influenza-Ausbruch.
Etwa drei Prozent aller Kinder im ersten Lebensjahr müssen wegen einer viralen Atemwegsinfektion in die Klinik, berichten Dr. J. van Woensel vom Emma Children? Hospital Academic Medical Centre in Amsterdam.

Hohes Risiko für Kleinkinder

Solche schweren Infektionen werden häufig durch Respiratory Syncytial Viren (RSV) und Influenza-Viren verursacht. Sowohl RSV als auch Influenza können im Winter in Epidemien auftreten. Einen Impfstoff gegen RSV gibt es bisher nicht, es wird noch mindestens zehn Jahre dauern, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht. Kindern mit hohem Risiko wie Frühgeborenen wird daher eine Prophylaxe mit monoklonalen Antikörper empfohlen.
Nach Studienergebnissen lässt sich hiermit die Rate der Krankenhauseinweisungen wegen Atemwegsinfektionen bei Kindern im ersten Lebensjahr in etwa halbieren.
Neben den RSV rufen auch Influenzaviren vor allem bei Kleinkindern besonders schwere Infektionen hervor. So ist nach Angaben von van Woensel das Risiko, von Säuglingen und Kleinkindern im Alter bis vier Jahre wegen Influenza in eine Klinik eingewiesen zu werden, zwölf Mal so hoch wie für ältere Kinder und Jugendliche von fünf bis 17 Jahre.

ARGE Influenza, Ärzte Woche 38/2003

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