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Innere Medizin 30. Juni 2005

Wie sicher ist die Gelbfieber-Impfung wirklich?

"Vor kurzem wurde in drei voneinander unabhängigen Beiträgen über sieben schwere Erkrankungsfälle nach Gelbfieberimpfung in Brasilien, den USA und Australien berichtet, die in 6 Fällen zum Tod führten", berichtet Prof. Dr. Franz X. Heinz vom Institut für Virologie Wien.

Alle 7 Personen erkrankten innerhalb weniger Tage nach der Impfung und hatten keine dokumentierte Immundefizienz, die genauso wie bei anderen Lebendimpfungen auch ein Ausschließungsgrund für die Gelbfieberimpfung gewesen wäre. Bei den brasilianischen Fällen (Alter 2 und 22 Jahre) sowie dem australischen Fall (56 Jahre) wurde der kausale Zusammenhang mit der Impfung durch virologische Untersuchungen gesichert.

Bei den 4 US-Fällen (alle älter als 62 Jahre mit anderen Grunderkrankungen) sprechen zwar der zeitliche Ablauf und das klinische Bild für die Gelbfieberimpfung als Erkrankungsursache, allerdings konnte nur in einem Fall auch direkte experimentelle Evidenz dafür gewonnen werden.

"Obwohl diese Publikationen einiges Aufsehen erregt haben und Anlass zur Sorge sind, dürfen sie nicht isoliert gesehen, sondern müssen vor dem Hintergrund des Gelbfieberproblems insgesamt und den bisherigen Sicherheitsdaten der Gelbfieberimpfung betrachtet werden", betont Heinz. Gelbfieber war bis zur Einführung der Impfung eine gefürchtete Erkrankung. Es wird geschätzt, dass auch heute noch jährlich etwa 200.000 Menschen im tropischen Afrika und Südamerika davon betroffen sind und etwa 30.000 Menschen daran versterben.

Heinz weiter: "Das Virus, ein naher Verwandter unseres FSME Virus, zirkuliert in der Natur zwischen Stechmücken und Affen (Dschungelgelbfieber), aber in städtischen Ballungsgebieten auch zwischen Stechmücken und Menschen (urbanes Gelbfieber). Durch die Zunahme der Verbreitung des "urbanen" Vektors Aedes aegypti in Kombination mit der internationalen Reisetätigkeit, wird befürchtet, dass das Gelbfieber auch neue Regionen der Welt wie Nord- und Zentralamerika, die Karibik und sogar Asien erobern könnte." Der attentuierte Gelbfiebervirus Impfstamm wurde bereits im Jahr 1937 entwickelt. In den mehr als 60 Jahren seit der Impfstoff-Entwicklung wurden etwa 400 Millionen Menschen geimpft. Zwar sind selbst unter Einbeziehung der oben angeführten Fälle schwere unerwünschte Nebenwirkungen nach Gelbfieberimpfung sehr selten, aber sie sind eben nicht null, gibt der Virologe zu bedenken. Offensichtlich gäbe es bestimmte bisher unbekannte Wirtsfaktoren, die - wie auch bei anderen Lebendimpfungen, beispielsweise der Polio Schluckimpfung - trotz des hohen Attenuierungsgrads des Impfvirus in seltenen Fällen zu einer Erkrankung führen könnten.

Wegen der Seltenheit solcher Ereignisse empfehlen jedoch derzeit weder die Weltgesundheitsorganisation noch andere internationale Expertengruppen eine Änderung der bisherigen Gelbfieber-Impfpraxis. Vielmehr wird Personen, die in Gelbfieber-Verbreitungsgebieten leben, und jenen, die in solche Gebiete reisen, die Impfung ausdrücklich empfohlen.

Die geschilderten Ereignisse sollten nach Meinung des Virologen Anlass sein, sowohl die Überwachung von unerwünschten Nebenwirkungen zu intensivieren als auch die Forschung über die molekularen Grundlagen der Virulenz und Attenuierung des Gelbfiebervirus zu forcieren.
Durch die Methoden der modernen Gentechnologie sei es durchaus möglich, dass neue Lebendimpfstoffe bzw. Lebendimpfstoffäquivalente mit noch höheren Sicherheiten entwickelt werden.

Quelle: Virusepidemiologische Information des Instituts für Virologie, Universität Wien.

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