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Innere Medizin 30. Juni 2005

Impfempfehlungen für Urlaube am Mittelmeer

Rechtzeitig vor der Sommerreisezeit haben Österreichs führende Reisemediziner die aktuellen Impfempfehlungen für den Mittelmeerraum zusammengefasst. Das Ergebnis dieses Konsensusmeetings zeigt, dass Infektionsrisiken durchwegs auch in den beliebtesten Reiseländern der Österreicher bestehen – und durch Schutzimpfungen vermieden werden können.

Die Mittelmeerstaaten zählen nach wie vor zu den populärsten Reisezielen der Österreicher. So verbrachten etwa im Jahr 2002 mehr als 2,6 Millionen Österreicher ihren Sommerurlaub in der Mittelmeerregion. Doch oft bringen weder die Reisenden noch deren Ärzte diese Urlaube mit reisemedizinischen Risiken in Verbindung. 25 österreichische Reisemedizinexperten haben im März 2004 beim Mittelmeer-Konsensusmeeting in Linz aktuelle reisemedizinische Empfehlungen diskutiert. Die führenden Autoren des Konsensusstatements, Prof. Dr. Herwig Kollaritsch und Dr. Pamela Rendi-Wagner von der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin (Institut für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien), listen darin alle empfehlenswerten Impfungen für Mittelmeerreisende auf.

Poster mit Impfempfehlungen für die Arztpraxis

Die Daten stammen von Informationsquellen wie WHO (Weltgesundheitsorganisation) und CDC (Centers for Disease Control and Prevention). Erfasst wurden dabei die Infektionsrisiken für Hepatitis A, Hepatitis B, Typhus, Meningokokken-Meningitis, Tollwut und FSME. Die im österreichischen Impfplan festgelegten Schutzimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio werden als Basisprogramm für alle Länder gesehen.

Hepatitis A

In Österreich wurden zwischen 1993 und 2002 3.072 Hepatitis A-Fälle angezeigt, ein Großteil importierte Infektionen. Diese Einschleppung des Virus durch den internationalen Reiseverkehr kann zu Kleinraum-Epidemien führen. Für die durch Schmutz- und Schmierinfektion übertragbare Hepatitis A ist das Infektionsrisiko in Ägypten, Marokko, Tunesien und der Türkei hoch. Ein mittleres Infektionsrisiko, insbesonders bei Neigung zur Konsumation von „riskanten“ Nahrungsmitteln (Meeresfrüchte!), besteht derzeit in Portugal, Süditalien und Griechenland.

Hepatitis B

Österreich hat die Hepatitis B-Impfung bereits 1996 nach einer WHO-Empfehlung in den österreichischen Impfplan aufgenommen. Die Impfung wird bis zum 13. Lebensjahr kostenlos angeboten, für Erwachsene wird sie als Indikationsimpfung empfohlen. Dennoch wurden zwischen 1993 und 2002 österreichweit 2.541 Neuinfektionen mit Hepatitis B angezeigt. Die Experten sprechen daher – basierend auf der WHO-Empfehlung – für alle Reisenden eine Hepatitis B-Impfempfehlung aus. Ein Arztbesuch des Urlaubers vor Reiseantritt sollte daher auch dazu genutzt werden, sich gegen Hepatitis B impfen zu lassen.

Meningokokken-Meningitis

In Nordafrika kommen zusätzlich zu den in Europa vorherrschenden Stämmen B und C die Meningokokken der Serotypen A und W135 vor. Überlegenswert ist eine individuelle Gabe bei Risikosituationen. Innerhalb Europas raten die Experten zu einer Impfprophylaxe gegen Meningokokken C bei längeren Aufenthalten in Mittelmeerländern mit erhöhter Meningitis C-Inzidenz (Frankreich, Spanien, Malta und Griechenland).

Typhus

Das in den letzten 30 Jahren deutlich rückläufige Typhusrisiko für Reisende wird als etwa ein Zehntel des Hepatits A-Risikos eingestuft. Allerdings ist die Letalität bei Typhus weit höher als bei Hepatitis A: Das Risiko, an Typhus zu sterben, ist etwa zehn Mal so hoch. In Österreich wurden in den Jahren 1993 bis 2002 89 Typhusfälle gemeldet. Europa wird mit durchschnittlich 4-15 Fällen/100.000 Einwohner als Region mit geringem Auftreten von Typhus kategorisiert. Eine Impfempfehlung wird daher seitens der Experten für die nordafrikanischen Staaten empfohlen, ebenso für Individualtouristen, Rundreisende und bei Langzeitaufenthalten auch für den Nahen Osten und die Türkei.

Tollwutimpfung für Kinder und bei Langzeitaufenthalten

In Österreich sind Tollwut-Fälle seit 1998 nur noch gelegentlich bei Füchsen im Burgenland dokumentiert. Eine Impfindikation ist individuell auszuarbeiten. Da Kinder mehr als drei Mal häufiger als Erwachsene gebissen werden und 40 Prozent der gemeldeten Tollwut-Fälle Kinder unter 15 Jahren betreffen, ist eine Tollwut-Immunisierung vor allem für Kinder zu befürworten.

FSME: Impfempfehlung für Endemiegebiete

Das FSME-Virus verursacht jährlich Tausende von auch schweren neurologischen Erkrankungen. Mit Ausnahme von Großbritannien, den Benelux-Ländern und der Iberischen Halbinsel wird eine generelle Impfempfehlung gegen FSME für Reisen innerhalb Europas ausgesprochen. Die Auffrischung ist nur noch alle fünf Jahre nötig.

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