zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 1. Juli 2005

Die Zeckengefahr kennt keine Grenzen

Die passive Immunisierung nach einem Zeckenstich gibt es nicht mehr. Das Immunglobulin wurde vor zwei Jahren aus dem Handel genommen.

„Dass sich die Österreicherinnen und Österreicher der Zeckengefahr bewusst sind, zeigt die hohe Durchimpfungsrate von 87 Prozent“, sagte Prof. Dr. Michael Kunze, Zentrum für Public Health – Institut für Sozialmedizin in Wien, bei einer Pressekonferenz vergangene Woche. Zudem sei der FSME-Impfstoff hochwirksam und sehr gut verträglich. Die Schutzrate beträgt 98,7 Prozent. Haus-, Kinder- und Schulärzte, Gesundheitsämter, Apotheker, ARGE Gesundheitsvorsorge, Impfstoffhersteller sowie Ärzte- und Apothekerkammer arbeiten konsequent zusammen. Dadurch konnte die Zahl der hospitalisierten FSME-Fälle von 677 im Jahr 1979 auf 54 Fälle im Jahr 2004 gesenkt werden, berichtete Prof. Dr. Franz X. Heinz, Vorstand des Klin. Instituts für Virologie, Wien. Die meisten Erkrankungen gab es in Oberösterreich und in der Steiermark.„Bedauerlicherweise waren auch drei Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren betroffen“, so Heinz. „Mehr als die Hälfte der Fälle traten wieder in der Generation 50 plus auf. Zumindest gab es keine Toten.“ Grund zur Euphorie bestehe trotzdem nicht, denn noch immer sind etwa 1 Million Österreicher nicht geimpft.„Gerade bei den ‚Golden Agers’ sollte strikt auf die Einhaltung der empfohlenen Impfintervalle geachtet werden“, appellieren Kunze und Heinz an die ärztliche Kollegenschaft. Aufgrund des alternden Immunsystems verläuft die Erkrankung bei der älteren Generation schwerer, gleichzeitig hält der Impfschutz nicht solange wie bei Jüngeren. Außerdem ist die Generation 50 plus aktiv wie nie, mit einer Freizeitgestaltung, die sie einer erhöhten Zeckengefahr aussetzt. Ein Problem sind zudem die über 10 Millionen ungeimpften Touristen. Für die Experten ein Grund zur Sorge: „Österreich kann nicht nur ein schönes Urlaubsland sein, sondern muss auch auf das gesundheitliche Wohl seiner Besucher achten. Wir müssen mit den ausländischen Reisebüros zusammenarbeiten und den Touristen in Österreich vermehrt die Schnell-immunisierung anbieten.“ Viele europäische Länder stehen erst am Anfang der FSME-Vorsorge. Die Zahl der Erkrankungen steigt drastisch. „Die österreichische Impfkampagne sollte Beispiel gebend für ganz Europa sein“, meinte Kunze, der in den nächsten Wochen mit dem neuen „Center of Disease Control“ der Europäischen Union in Stockholm erste Gespräche führen wird.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben