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Innere Medizin 30. Juni 2005

Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten im Blickpunkt

Eine Subgruppen-Analyse der Val-HeFT-Studie hat gezeigt, dass der Angiotensin-II-Blocker Valsartan die Mortalität von Herzinsuffizienz-Patienten, die keine ACE-Hemmer einnehmen, um 33 Prozent senkt. Darüber hinaus reduziert Valsartan auch die Häufigkeit von Vorhofflimmern, wie aktuelle Daten belegen.

Patienten mit Herzinsuffizienz, die ACE-Hemmer nicht vertragen, dürften Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten recht gut tolerieren.
Ob der AT-II-Blocker Valsartan (Diovan®) bei Patienten, die eine Standardmedikation, aber keine ACE-Hemmer erhalten, in der Lage ist, Mortalität und Morbidität zu senken, wurde in einer Subgruppen-Analyse der Val-HeFT-Studie erhoben.
Die randomisiert, placebokontrolliert und doppelblind durchgeführte Val-HeFT-Studie (Valsartan Heart Failure Trial) untersuchte die Wirkung einer zusätzlichen Gabe des AT-II-Rezeptorantagonisten Valsartan zur herkömmlichen Standardtherapie an 5.010 Herzinsuffizienz-Patienten aus 16 Ländern.
Valsartan wurde initial in einer Dosis von zweimal täglich 40mg gegeben, die Zieldosis betrug zweimal täglich 160mg. Primäre Endpunkte waren die Gesamtmortalität sowie die Kombination von Mortalität und verschiedenen Morbiditätsparametern. Der Beobachtungszeitraum betrug rund zwei Jahre. Die Untersuchung zeigte, dass Valsartan den kombinierten Endpunkt signifikant verringerte. Besonders die Zahl der Patienten, die zumindest einmal wegen ihrer Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingewiesen wurden, konnte deutlich gesenkt werden.

Subgruppen-Analyse an 366 Patienten

Insgesamt 366 Studienteilnehmer wurden nicht mit ACE-Hemmern behandelt. Ihr Alter lag im Schnitt bei 67,2 Jahren und war damit höher als das der Patienten, die ACE-Hemmer erhielten. Die Placebogruppe (n=181) unterschied sich von der Verumgruppe (n=185) unter anderem durch einen höheren Prozentsatz an Patienten, die eine schwere Herzinsuffizienz aufwiesen (NYHA-Klasse III und IV). Dies wurde von den Wissenschaftern im Rahmen der statistischen Analyse berücksichtigt.
Unter Valsartan kam es zu einer signifikanten Abnahme der Mortalität (17 gegenüber 27 Prozent unter Placebo). "Die Reduktion des relativen Risikos betrug somit 33 Prozent", berichteten Maggioni et al. im "Journal of the American College of Cardiology" (2002; 40: 1414-1421). Auch hinsichtlich des kombinierten Endpunktes (Mortalität/Morbidität) schnitt Valsartan signifikant besser als Placebo ab. Bei den sekundären Endpunkten erwies sich Valsartan ebenfalls als sehr effektiv.
"So wurden etwa die Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz um 53 Prozent reduziert", betonten die Wissenschafter. Darüber hinaus wurden eine deutliche Verbesserung der Ejektionsfraktion und eine signifikante Abnahme der Plasmakonzentration von BNP (Brain Natriuretic Peptide), eines Herzinsuffizienz-Markers, gefunden. Was die Verträglichkeit betrifft, unterschied sich der AT-II-Blocker nicht von Placebo.
In Amerika erhielt Valsartan auf Grund der Ergebnisse der Val-HeFT-Studie als erstes und bisher einziges Sartan die Zulassung für die Behandlung von Herzinsuffizienz-Patienten mit Unverträglichkeit gegenüber einem ACE-Hemmer.

Nicht-adjustierte Ergebnisse: Noch stärkere Risikoreduktion

Die Food and Drug Administration (FDA) geht von einer noch stärkeren Reduktion des Mortalitäts- und Morbiditätsrisikos aus, da sie sich auf die nicht-adjustierten Ergebnisse der Studie und nicht auf die im "Journal of the American College of Cardiology" publizierten Daten stützte.
Laut FDA führt die Gabe von Valsartan bei Patienten, die keinen ACE-Hemmer erhalten, zu einer Verringerung der Gesamtmortalität um 41 Prozent, wie Prof. Dr. Jay N. Cohn, University of Minnesota, kürzlich in den "European Heart Journal Supplements" erläuterte. "Insgesamt stellt Valsartan einen sicheren und effektiven Ersatz für ACE-Hemmer dar", so Cohn. Weitere interessante Ergebnisse der Val-HeFT-Studie wurden auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Wien präsentiert:
Prof. Dr. Aldo P. Maggioni vom italienischen Verband der Krankenhauskardiologen (ANMCO) berichtete über die Effekte von Valsartan auf die Inzidenz von Vorhofflimmern bei Patienten mit Herzinsuffizienz.
Die Studie ergab, dass eine ischämische Ätiologie der Herzinsuffizienz sowie ein Alter von über 70 Jahren Risikofaktoren für Vorhofflimmern darstellen und dieses die Prognose der Patienten verschlechtert. Unter Valsartan (Diovan®) wurden signifikant weniger neue Fälle von Vorhofflimmern als in der Placebogruppe beobachtet (5,3 vs. 7,9 Prozent). Dies entspricht einer Reduktion um 35 Prozent, wie Maggioni erläuterte.

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