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Innere Medizin 30. Juni 2005

Optimale Behandlung bei Herzinsuffizienz

Erst vor wenigen Wochen wurde die Rekrutierung des sog. CHARM (Candesartan in Heart failure Assessment of Reduction in Mortality and morbidity) - Studienprogramms beendet (Swedberg K, Pfeffer M, Granger C et al., J Cardiac Failure 1999; 5: 276-282).

Bösartige Erkrankung

Es handelt sich dabei um die größte Untersuchung über die Behandlung mit AT1-Rezeptorenblocker bei Herzinsuffizienz. Bei CHARM wird Candesartan-cilexetil (Atacand®) untersucht, ein langwirksames Medikament, das einmal täglich eingenommen wird und Plazebo-ähnliche Verträglichkeit hat. Ziel der Studie ist es festzustellen, ob der AT1-Rezeptorenblocker die Überlebensrate bei einem breiten Spektrum an Patienten mit symptomatischer Herzinsuffizienz verbessern kann.

"Herzinsuffizienz stellt eine enorme Belastung für den Betroffenen und die Gesellschaft dar", so Prof. Dr. Karl Swedberg, Göteburg Universität, Schweden, Präsident des CHARM- Exekutiv-Komitees. Die Prävalenz steige aufgrund des zunehmenden Bevölkerungsalters und der gesteigerten Überlebensrate von Patienten mit Myokardinfarkt weiterhin an. Trotz der Verbesserung der Therapie bleibe die Herzinsuffizienz eine der bösartigsten Erkrankungen, vergleichbar mit Krebs (McMurray J, J RAAS 2000; 1: (Suppl 1) 12-16). "Wir brauchen dringend wirksamere Therapiestrategien. CHARM könnte dabei entscheidend helfen", <N>so Swedberg.

Die Studie ist ein Riesenprojekt mit 7.500 Probanden, das an 618 Orten in 26 Ländern durchgeführt wird. Einzigartig dabei ist auch, dass die große Patientenanzahl das gesamte Spektrum an Herzinsuffizienz-Arten repräsentiert. Unter den 7.500 Patienten gibt es auch eine große Zahl von 2.000 Teilnehmern, die eine Standard-Therapie mit ACE-Hemmern nicht vertragen haben. CHARM soll die Rolle der AT1-Rezeptorenblockade bei Herzinsuffizienz neu definieren. Ein Studienende wird für das Jahr 2003 erwartet.

Enge Rezeptorbindung

Aufgrund des Studiendesigns und der aufgenommenen Patienten besteht die berechtigte Hoffnung, mit CHARM bessere Daten des Benefits von AT1-Rezeptorenblockern bei Herzinsuffizienz zu erhalten als aus anderen Studien mit dieser Medikamentengruppe. Das Studienprogramm besteht aus drei unabhängigen, parallelen, plazebo-kontrollierten Untersuchungen. Eine Patientengruppe erhält Candesartancilexetil zusätzlich zur Standardtherapie, beispielsweise ACE-Hemmer. Die zweite Studiengruppe umfasst Patienten mit kongestiver Herzinsuffizienz, die vorher keine genaueren Untersuchungen hatten, z.B. Patienten mit guter systolischer Linksventrikelfunktion (LVEF 40%). Die dritte Studie vergleicht Candesartan-cilexetil und Plazebo bei Patienten mit verminderter Linksventrikelfunktion, die nicht auf ACE- Hemmer ansprechen.

Es existieren bereits Daten, die zeigen, dass CHARM beweisen wird, dass der AT1-Rezeptorenblocker fähig ist, die Mortalität und Morbidität von Patienten mit Herzinsuffizienz zu senken. Candesartancilexetil zeigt auch eine für die AT1-Rezeptorenblocker typische, Plazebo-ähnliche Verträglichkeit, unterscheidet sich aber von den anderen Medikamenten dieser Gruppe durch seine engeren Rezeptorbindungs-Eigenschaften. Es zeigt auch im Vergleich zu anderen Vertretern dieser Medikamentengruppe die langsamste Dissoziation vom AT1-Rezeptor. In der klinischen Praxis könnten diesen Eigenschaften eine deutlich bessere Wirksamkeit, eine stärkere Dosis-Response und eine langandauernde Wirkung bedeuten.

Wichtiger Meilenstein

"Die Komplettierung der Patienten-Rekrutierung für das CHARM-Studienprogramm ist eine bedeutende Leistung aller Beteiligten",meint Prof. Dr. Marc Pfeffer, Harvard Medical School und Co-Präsident des CHARM-Exekutiv-Komittees. CHARM solle Einsicht in die Entwicklung der besseren Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz bringen und damit verbesserte Ergebnisse. "Das Erreichen dieses Meilen- steins ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg dahin, aber wir haben noch immer eine lange Strecke vor uns", <N>so Pfeffer.

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