zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Keine Angst vor Betablockern

Monte Carlo. Herzinsuffizienz ist die einzige wichtigere kardiovaskuläre Erkrankung mit ständig steigender Inzidenz und Prävalenz. Patienten mit Herzinsuffizienz (HI) haben häufig eine deutlich schlechtere Überlebenswahrscheinlichkeit als die meisten Krebspatienten.

Die notwendigen häufigen Spitalsaufenthalte stellen nicht nur eine beträchtliche Belastung für die Patienten selbst, sondern auch für das Gesundheitssystem dar. "Es wäre daher sowohl für die Patienten als auch für das Gesundheitssystem von großer Bedeutung, wenn es endlich gelänge die beträchtlichen klinischen Fortschritte in ausreichendem Maße auch in die tägliche Praxis umzusetzen", stellte Prof. Dr. Thomas Lüscher, Universitätsklinik Zürich, zu Beginn eines internationalen Symposiums über Herzinsuffizienz im Februar fest.

Entscheidender Fortschritt

Die Einführung neurohormonaler Blocker, wie vor allem ACE-Hemmer, Spironolakton und Betablocker, habe zu einem ganz entscheidenden Fortschritt in der HI-Therapie geführt. Trotz eindeutig nachgewiesener Effizienz würden aber Betablocker in Europa derzeit nur bei rund 10 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten verordnet. Lüscher betonte, dass aber nur für Carvedilol, Metoprolol und Bisoprolol nachgewiesen worden sei, dass sie tatsächlich sowohl die Mortalität, als auch die Zahl der Hospitalisierungen reduzieren könnten.

Und nur für Carvedilol, einem beta1-, beta2- und alpha-adrenergen Rezeptorblocker, sei mit der COPERNICUS-Studie erstmals bewiesen worden, dass sich auch bei schwerer Herzinsuffizienz mit adrenerger Blockade (zusätzlich zu ACE-Hemmern, Diuretika und oft auch Digitalis) die Mortalität und die Zahl der Hospitalisierungen deutlich senken und die Lebensqualität verbessern lasse (Gesamtmortalität minus 35 %, Gesamtmortalität/Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz minus 31%). Die Vorteile einer Carvedilol- Therapie zeigte sich in allen Sub- gruppen, war also unabhängig von Alter, Geschlecht oder Schwere der Herzinsuffizienz und betraf insbesondere auch die Diabetiker.

Placebo-Nebenwirkungen

COPERNICUS sei auch deshalb bemerkenswert, weil gerade niedergelassene Ärzte noch immer Angst vor eventuellen Nebenwirkungen von Betablockern hätten, betonte Prof. Dr. Michael B. Fowler, Stanford University Medical Center, California, USA: in COPERNICUS setzten signifikant mehr Patienten die Placebo-Therapie wegen unerwünschter Nebenwirkungen ab als bei Carvedilol-Therapie. Auch die bei anderen Beta- blockern wie Metoprolol oft beobachtete (meist vorübergehende) Verschlechterung der kardialen Insuffizienz etwa 1 bis 3 Monate nach Therapiebeginn trat bei Carvedilol nicht auf. Eine mögliche Erklärung sei die Tatsache, dass Carvedilol " im Gegensatz zu reinen Betablockern " auch die alpha-adrenergen Rezeptoren blockiere und damit zu einer Dilatation der peripheren Gefäße, z.B. auch in der Niere, führe.

Relevanter Aspekt: Dosis

Ein weiterer für die Praxis relevanter Aspekt sei die Dosis. Für Metoprolol und Bisoprolol sei die Senkung der Mortalität in Studien nur in sehr hohen Dosen nachgewiesen worden (Metoprolol 200 mg, Bisoprolol 10 mg), also in deutlich höherer Dosierung als diese Substanzen in der Praxis verschrieben würden. Für Carvedilol hingegen sei die Wirksamkeit auch für niedrigere Dosen (MOCHA-Studie: zweimal 6,25 mg bis zweimal 25 mg täglich) belegt. Fowler empfahl daher, ACE-Hemmer und Be- tablocker gemeinsam und möglichst frühzeitig als Routinetherapie der Herzinsuffizienz "zusätzlich zu einer symptomatischen Therapie mit Diuretika "einzusetzen.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 12/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben