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Innere Medizin 30. Juni 2005

Betablocker hilft auch Babys mit Herzinsuffizienz

Ismaning. Auch Säuglinge mit Herzinsuffizienz haben offensichtlich Vorteile, wenn sie früh einen Betablocker erhalten: Die Symptomatik bessert sich, und ein prognostisch ungünstiger myokardialer Umbau wird gebremst.

Das sind die Ergebnisse der ersten prospektiven Studie zu Betablockern bei herzinsuffizienten Säuglingen mit angeborenen Herzfehlern, vorgestellt vom Kinderkardiologen Dr. Reiner Buchhorn vom Universitätsklinikum Göttingen bei einem Pressegespräch des Unternehmens Merck.

An der CHF-Pro-INFANT (Congestive Heart Failure Propranolol bei Säuglingen)-Studie hatten 19 schwer herzinsuffiziente Säuglinge teilgenommen. Bis zur operativen Korrektur des Herzfehlers wurden zehn von ihnen mit Digoxin und Diuretika behandelt. Die neun anderen Babys bekamen zusätzlich zu dieser Standardmedikation den Betablocker Propranolol, und zwar nach einer Einschleichphase in einer Dosis von täglich zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Propanolol sei gewählt worden, weil damit bereits Erfahrungen bei der Therapie von Kindern bei anderen Indikationen vorlägen. Unerwünschte Wirkungen des Medikaments wie Müdigkeit fielen nicht ins Gewicht oder fehlten, etwa Bronchospasmen, da Kinder noch keine Betarezeptoren in der Lunge hätten.

Durch die zusätzliche Intervention besserte sich die Symptomatik der Herzinsuffizienz deutlich, was nicht zuletzt das Essverhalten beeinflusste, sagte Buchhorn. In dem dreimonatigen Beobachtungszeitraum hätten die Patienten ohne den Betablocker durchschnittlich 57 Gramm pro Woche an Gewicht zugenommen, unter Propranolol betrug dieser Zuwachs 88 Gramm. Auch wurden die mit dem Betablocker behandelten Säuglinge im Vergleich früher aus der Klinik entlassen, und die Herzoperation konnte früher vorgenommen werden. Während der Beobachtungszeit waren die mit dem Betablocker behandelten Säuglinge durchschnittlich 19 Tage in der Klinik im Vergleich zu 55 Tagen ohne diese Therapie. Ein Kind der Betablocker-Gruppe und zwei Kinder der Kontrollgruppe sind während der Studie gestorben. Auch die Progression des myokardialen Umbaus wurde bei den mit dem Betablocker behandelten Kindern gebremst. So seien bis zur Operation im Vergleich geringere Myokardhypertrophien und niedrigere enddiastolische Ventrikeldrücke zu verzeichnen gewesen, so Buchhorn.

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