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Innere Medizin 30. Juni 2005

Hepatitis C dauerhaft heilen

Die chronische Hepatitis C betrifft in Österreich rund 90.000 Patienten. Die Prävalenzrate bei Patienten mit Hinweisen auf eine Lebererkrankung liegt bei etwa 20 Prozent. Ein Fünftel der jährlich in Österreich durchgeführten Lebertransplantationen ist laut Prof. Dr. Wolfgang Vogel, Ordinarius der Universitätsklinik für Innere Medizin, Innsbruck, eine Folge des Endstadiums der chronischen Hepatitis C.

Die serologische Diagnostik der Hepatitis C ist heute verlässlich. Alle Patienten mit chronischer Infektion weisen einen positiven HCV-Antikörper auf. Das virale Antigen lässt sich bei einer frischen Infektion bereits innerhalb von ein bis zwei Wochen im Serum nachweisen.„Hepatitis C wird praktisch ausschließlich durch Blut übertragen“, berichtete Prof. Dr. Petra Munda, Klinik für Innere Medizin IV, AKH Wien, im Rahmen der 35. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin. „Die sexuelle Übertragung ist in stabilen Partnerschaften mit ein bis drei Prozent ein sehr seltenes Ereignis.“ Der Stellenwert der Leberbiopsie im Management der chronischen Hepatitis C hat mit den verbesserten Therapieerfolgen der neuen pegylierten Interferone, z.B. Pegasys®, eine wesentliche Änderung erfahren. Prof. Dr. Michael Trauner, Med. Univ.-Klinik Graz, empfiehlt die Leberbiopsie bei HCV-Infektion Genotyp 1 und 4, da die Entscheidung bei diesen Genotypen häufig vom histologischen Fibrosegrad abhängt.
„In den 15 Jahren seit der Entdeckung des Hepatitis-C-Virus haben sich das Wissen über den Verlauf der Erkrankung, die Eigenheiten des HC-Virus und die Möglichkeiten der Therapie durch den gemeinsamen Einsatz von Forschergruppen im akademischen und industriellen Bereich mit rasanter Geschwindigkeit entwickelt“, resümierte Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic, Klinik für Innere Medizin IV, AKH Wien. „Insbesondere der hohe Einsatz von pharmazeutischen Unternehmen wie Roche hat dazu geführt, dass innerhalb von nur zehn Jahren die Chance auf dauerhafte Heilung der chronischen Hepatitis C von unter zehn auf über 50 Prozent gestiegen ist.“ In der kürzlich beendeten randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Multicenterstudie zum Vergleich der Wirksamkeit und Verträglichkeit von pegyliertem Interferon alfa 2a (Pegasys®) und Ribavirin (Copegus®) mit oder ohne Amantadin-Sulfat (TRIPEG) untersuchten Prof. Dr. Peter Ferenci und Mitarbeiter aus 18 österreichischen Therapiezentren insgesamt 210 bisher unbehandelte Patienten mit Genotyp 1-Hepatitis C. Das mittlere Alter betrug 44 Jahre. Zwei Drittel der Patienten waren Männer.

Interferon-Sensitivitätstest

Vor der Randomisierung wurde der Interferon-Sensitivitätstest durchgeführt und die Patienten gemäß des Abfalls der Viruskonzentration in drei Gruppen eingeteilt. Die Gruppe A wies den größten, Gruppe B einen mittleren und Gruppe C den geringsten Virusabfall auf. Die Patienten der Gruppe C hätten laut Ferenci nie auf eine Standard-Interferon-Therapie angesprochen. Die Patienten wurden 48 Wochen lang behandelt und 24 Wochen lang nachbeobachtet. In der Behandlungsphase erhielten die Patienten einmal pro Woche subkutan 180 µg Pegasys® und 1,0 g Copegus® täglich bei einem Körpergewicht zwischen 50 und 75 kg bzw. 1,2 g Copegus® bei einem Körpergewicht über 75 kg. 114 Patienten wurde zusätzlich Amantadin verabreicht und 96 Patienten ein Placebo. Mit herkömmlichen Standard-Interferonen lagen die Heilungschancen der Hepatitis C vom Genotyp 1 bei 36 Prozent. Mit diesem Studienprotokoll konnten bei diesem schwierig zu therapierenden Genotyp der HCV-Infektion hervorragende Dauerheilungsraten erzielt werden. In der Treated per protocol-Analyse, betreffend jene Patienten mit planmäßiger Vollendung ihrer Therapie, erreichten 87 Prozent der Patienten aus Gruppe A, 70 Prozent aus Gruppe B und 36 Prozent aus Gruppe C (Durchbrechung der Interferon-Resistenz) eine dauerhafte Heilung. Je höher die Interferon-Sensitivität und je geringer der Fibrosegrad, umso größer war der Behandlungserfolg. Zwischen der Amantadin-Gruppe und der Placebo-Gruppe zeigte sich kein Unterschied in der Ansprechrate.

Voraussage der Ansprechwahrscheinlichkeit

Ferenci: „Patienten mit Interferon-sensitiven Hepatitis C-Genotyp 1-Stämmen zeigen in der österreichischen TRIPEG-Studie fast die gleich guten Heilungschancen wie Patienten mit den für gewöhnlich gut behandelbaren Genotypen 2 und 3. Ein Drittel der Patienten, die laut Sensitivitätstest mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Standard-Interferon-Therapie nicht ansprechen, können durch eine 48-wöchige Kombinationstherapie mit Pegasys® und Copegus® geheilt werden. Die Voraussage der Ansprechwahrscheinlichkeit wird in Zukunft helfen, die Dauer der Therapie zu individualisieren. Dies wird derzeit in einer weiteren österreichischen Studie überprüft.“

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