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Innere Medizin 30. Juni 2005

„Impf-Kartoffel“ gegen Hepatitis B

Ein Schutz gegen Hepatitis B ist durch den Verzehr roher Kartoffeln möglich. Zumindest mit solchen, die ein Antigen von Hepatitis-B-Viren enthalten.

Mit genmanipulierten Kartoffeln ließ sich im Rahmen einer Pilotstudie der Impfschutz gegen Hepatitis B bei den meisten Probanden auffrischen. Damit wiesen US-Forscher erstmals nach, dass die Immunisierung mit einer Mahlzeit aus gentechnisch veränderten Lebensmitteln möglich ist. Die essbare Vakzine ist besonders für Entwicklungsländer interessant: Die „Impf-Kartoffeln“ könnten kostengünstig angebaut und längere Zeit gelagert werden. Um die Vakzine zu erzeugen, baute ein Team um Charles Arntzen, Arizona State University, DNA für das Hepatitis-B-Oberflächen-Antigen (HBs-Ag) in das Genom von Kartoffelpflanzen ein. Die Pflanzen produzierten darauf das Virus-Protein in hohen Konzentrationen in den Knollen. Die Forscher prüften die Kartoffeln zunächst bei 42 Personen, die bereits parenteral gegen Hepatitis B geimpft worden waren. Sie wollten prüfen, ob mit dem Gemüse eine Auffrischungsimpfung möglich ist. Die Teilnehmer mussten alle 14 Tage eine 100 Gramm-Portion roher, geschälter Kartoffeln essen. Die Teilnehmer aßen entweder normale Kartoffeln oder zwei bis drei Portionen Impf-Kartoffeln. Ergebnis: Bei zehn von 16 Teilnehmern mit drei Portionen Impf-Kartoffeln kam es zu einem deutlichen Anstieg des HBs-Antigen-Titers. Vier Teilnehmer erreichten Werte, wie sie mit einer konventionellen Vakzine möglich sind. Bei neun von 17 Teilnehmern mit zwei Portionen der Impf-Knollen kam es zu einem deutlichen, aber nicht ganz so starken Anstieg der Antigen-Titer. Mit den Placebo-Kartoffeln änderten sich die Titer dagegen nicht. Die Forscher wollen die Vakzine jetzt bei ungeimpften Personen testen.

Trend zu hitzebeständigen oralen Impfstoffen

Eine Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass derzeit der Trend von Impfstoffen, die in Lebensmitteln wie Bananen, Tomaten oder Kartoffeln enthalten sind, weg geht. Das Risiko wird als zu hoch eingeschätzt, wenn derartige Lebensmittel versehentlich in Geschäften oder auf dem Markt verkauft werden. Die Entwicklung konzentriert sich derzeit auf Impfstoffe, die in den Blättern von Pflanzen enthalten sind, die nicht als Nahrungsmittel verkauft werden. Derzeit werden Versuche mit Tieren durchgeführt. Die besten Ergebnisse konnten bisher mit Nicotiana benthamiana erzielt werden, einer Verwandten der Tabakpflanze. Als Nahrungsmittel kommt diese Pflanze nicht in Frage. Die Blätter werden geerntet, gewaschen, zerkleinert und zum Haltbarmachen gefriergetrocknet. So haltbar gemacht und in Kapseln verpackt, können die Inhaltsstoffe auch bei großen Temperaturen ohne Kühlung gelagert werden. Dieser neue Ansatz gewährleistet auch, dass der Impfstoff in gleich bleibenden Dosierungen verabreicht werden kann.

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