zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Wärme und Kälte zur Abhärtung

Bei Erkältungskrankheiten können mit Naturheilverfahren die akuten Symptome gelindert und die Heilung gefördert werden. Naturheilverfahren können bei Patienten mit rezidivierenden Atemwegsinfektionen außerdem zur Verbesserung der immunologischen Abwehr und der Schleimhautfunktion genutzt werden. Das wichtigste therapeutische Prinzip bei Patienten mit chronisch entzündlichen Prozessen ohne erkennbare Tendenz zu einer endgültigen Abheilung basiert auf einer lokalen - gelegentlich auch einer systemischen - Überwärmung. Im HNO-Bereich und am oberen und mittleren Thorax geschieht dieses durch eine Bestrahlung mit Infrarotlicht oder mit Techniken der Hochfrequenztherapie. Systemische Überwärmungen sind am einfachsten in Schwitzpackungen und heißen Wannenbädern, auch Überwärmungsbäder genannt, möglich. Ein gewisses Risiko besteht in der Möglichkeit, dass ein entzündlicher Prozess noch einmal überschießend angeregt werden kann, insofern sind strenge Kontrollen dieser Behandlungen notwendig.

Roborierende und abhärtende Therapie

Systemische Behandlungen mit dem Ziel einer:

  • allgemeinen Abhärtung,
  • einer verbesserten immunologischen Abwehr,
  • einer konstitutionellen Einflussnahme und
  •  einer verbesserten Schleimhautfunktion bei Patienten mit rezidivierenden Infekterkrankungen werden im Intervall begonnen und bei erneuter Erkrankung dem aktuellen Stadium angepasst.

Gute Wirkungen im Sinne einer allgemeinen Abhärtung sind vor allem von hydrotherapeutischen Programmen mit individuell angemessen dosierten Kaltreizen - wie Waschungen, Gussbehandlungen, Teilbädern, Wickelbehandlungen oder Tauchbädern nach der Sauna - zu erwarten. Hierzu liegen ausreichend Anwendungsbeobachtungen und einige kontrollierte Studien vor. So wurde mehrfach nachgewiesen, dass unter solchen Abhärtungsbehandlungen die IgA-Konzentrationen im Speichel - ein Parameter für eine verbesserte Abwehrlage - steigen.

Ähnliche Effekte wurden in der vorantibiotischen Ära auch bei der UV-Therapie zur Steigerung der immunologischen Abwehr beobachtet. Neue immunologische Arbeiten weisen darauf hin, dass durch UV-Therapie vor allem die granulozytären Funktionen stimuliert werden. Empfehlungen zur Einflussnahme auf die Konstitution stammen aus der älteren balneologischen Literatur. Sie gelten vor allem für die Soletherapie bei Kindern mit "lymphatischer" Konstitution. Der Begriff "lymphatische Konstitution" stammt aus der Pädiatrie und wurde bis in die 50er-Jahre gebraucht. Er beschreibt das eher adipöse "wässrige" Kind mit empfindlichen Schleimhäuten im HNO-Bereich, Neigung zu lymphatischen Schwellungen und Atopie. Diese Kinder sollten durch die Anwendung von Salz "tonisiert" werden.

Sport und Kochsalz-Inhalationen

Über günstige Wirkungen einer Kochsalz-Inhalation auf die Schleimhäute gibt es schon seit der Antike epidemiologische Beobachtungen, so ist schon seit damals bekannt, dass Seefahrer seltener eine Bronchitis entwickeln als Bewohner von Binnenländern. Dass Inhalationsbehandlungen sich günstig auswirken, konnte durch moderne Studien zur mukoziliären Funktion belegt werden. In der Thalasso-Therapie werden Salzbäder, Kaltreize, Inhalationen und UV-Therapien miteinander kombiniert. Allgemeine roborierende Wirkungen sind auch von Klimakuren im Mittel- und Hochgebirge zu erwarten. Seit einiger Zeit berichtet auch die sportmedizinische Forschung über günstige Wirkungen körperlicher Aktivität auf die Infektanfälligkeit. In diesem Zusammenhang ist allerdings auch herausgekommen, dass zu intensives Training (Übertraining) sich negativ auswirkt - die Infektanfälligkeit steigt dann wieder.

Prof. Dr. Malte Bührung, Dr. med. Dr. rer. nat. Bernhard Uehleke, Klinik f. Naturheilkunde und Allgemeinmedizin der FU Berlin KH Moabit III. Innere Abt. (Naturheilweisen), 
Tel.: 030 / 3976-3401.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben