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Innere Medizin 30. Juni 2005

Influenza oder nur ein grippaler Infekt?

Frau S. sucht Sie wegen eines lästigen Hustens und eines leichten Schnupfens auf. Nachdem Sie sie untersucht haben, sagen Sie: "Es ist nur ein Virus!" Zu Ihrer Überraschung fragt Frau S.: "Welches Virus ist es denn? Dann kann ich nämlich im Internet nachlesen! Und woher wissen Sie, dass ich nicht die Grippe habe?"

Was sagen Sie Ihrer wissbegierigen Patientin?

Adenoviren (DNA-Viren) sind zu 10 Prozent Verursacher von Infektionen des oberen Respirationstraktes. Von den etwa 80 Serotypen sind 30 humanpathogen. Die Inkubationszeit beträgt fünf bis zehn Tage, die Ansteckungsfähigkeit ist während der ersten Krankheitshälfte am größten.
Weiters können Rhinoviren, RNA-Viren aus der Familie der Picornaviren, für grippale Infekte verantwortlich sein. Mehr als 90 Serotypen sind bekannt - eine Erklärung dafür, warum manche Menschen ständig erkältet sind, denn eine Immunität gegen alle Serotypen ist unmöglich. Die Inkubationszeit beträgt drei Tage. Die Virusausscheidung ist während der Erkrankung am größten, kann aber bis maximal drei Wochen anhalten. 
Orthomyxoviren - ebenfalls RNA-Viren - sind die Erreger der Influenza A, B und (in Mitteleuropa in den letzten Jahren nicht mehr beobachtet) C. Die Inkubationszeit beträgt einen bis fünf Tage. Ansteckungsfähigkeit durch Virusausscheidung ist bis eine Woche nach Einsetzen der klinischen Symptome gegeben. 

Die verwandten Paramyxoviren, das Parainfluenzavirus und das Respiratory Syncytial Virus, verursachen 20 Prozent der ernsthafteren Atemwegserkrankungen bei Kindern. Vor allem bei Säuglingen können schwere Bronchiolitiden und Pneumonien vorkommen. Die Inkubationszeit beträgt im Mittel vier Tage, die Viren sind hochinfektiös. Neben Tröpfcheninfektion ist auch eine Ansteckung durch kontaminierte Gegenstände möglich.
Viren können in einer Kultur oder mittels Serologie bestimmt werden. Die Antigenbestimmung erfolgt mittels Immunfluoreszenz mit monoklonalen Antikörpern oder PCR (polymerase chain reaction). Beide Methoden haben ihre Einschränkungen: Auch wenn Nasen- oder Rachenabstriche exakt durchgeführt werden, in einem geeigneten Transportmedium ihren Weg ins Labor finden, kann man bei vielen viralen Atemwegsinfektionen kein Virus nachweisen.

Der exakte Virusnachweis ist für die Therapie aber auch irrelevant. Allerdings gibt es Ausnahmen: Wenn in Zukunft antivirale Substanzen auf den Markt kommen werden, kann ein Virusnachweis wichtig werden. Beispiele sind die Neuraminidase-Hemmer Zanamivir und Oseltamivir, die - rechtzeitig eingenommen - eine Influenza verhindern oder aber den Verlauf mildern können. 
Aber auch bei der Influenza muss die Diagnose klinisch gestellt werden, denn jede Virusbestimmung würde zu lange dauern.
Dass erfahrene Allgemeinmediziner in 75 Prozent eine Influenza zuverlässig diagnostizieren können, zeigt eine Studie, die vergangenes Jahr publiziert wurde. Während einer Grippewelle wird die Diagnose noch zuverlässiger gestellt, vor allem, wenn Patienten mit großer Wahrscheinlichkeit Kontakt mit dem Virus hatten. 
Typisch für eine Influenza sind bekanntermaßen Fieber, plötzlicher Krankheitsbeginn, Husten, Coryza, Halsschmerzen, starkes Krankheitsgefühl, Myalgien und hyperämische Schleimhäute in Nase und Rachen. Husten ist das am häufigsten mit einer Influenza korrelierende Symptom.

Quellen: pulse 42/200

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