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Innere Medizin 10. November 2005

Mehr Influenza-Tote als angenommen

Bisher wurde immer von 1.500 bis 2.500 zusätzlichen Sterbefällen aufgrund einer Influenza-Epidemie aus- gegangen. 2001 zirkulierte das Virus nicht in Österreich, daraus ergaben sich neue Daten für die Statistik.

"Nach einer neuen Analyse sterben bis zu 6.000 Menschen pro Jahr wegen einer Influenza? erklärt Mag. Kurt Vymazal von der ARGE Influenza. Das Statistische Zentralamt hat folgende alarmierenden Zahlen für die Grippesaison Dezember 1998 bis Februar 1999 erhoben. Die Sterberate lag im Rahmen einer starken Influenza A-Epidemie bei rund 6.100 Toten. Um die Jahreswende 1999/2000 verursachte eine etwas schwächere Epidemie rund 4.200 Todesfälle. Vymazal: ?elbst die üblicherweise als weniger

gefährlich angesehene Influenza B forderte in der Grippesaison 1999/2000 in Österreich rund 4.200 Todesfälle."

Übersterblichkeit bei Senioren

Aus den Statistiken geht weiters hervor, dass die Altersgruppe der unter 60-Jährigen keine vermehrten Todesfälle während Influenza-Epidemien aufweist. Vymazal: "Die Übersterblichkeit betrifft ausschließlich über 60-Jährige." Fachleute fordern seit Jahren, dass sich alle Senioren jährlich gegen Influ-enza impfen lassen sollten. Für betagtere Menschen eignen sich besonders speziell entwickelte "adjuvierte" Influenza-Vakzine. Laut Studien wird mit den adjuvierten Vakzinen eine intensivere Antikörperproduktion hervorgerufen und damit eine um fast die Hälfte stärkere Immunantwort.

Neuraminidase-Hemmer

greifen Viren direkt an

In den vergangenen Jahren haben sich die Behandlungsmöglichkeiten durch die Entwicklung der so genannten Neuraminidase-Hemmer deutlich verbessert. "Diese neuen Medikamente greifen die Influenza-Viren direkt an", erklärte Prof. Dr. Christoph Wenisch von der Abteilung für Infektiologie an der Universität Graz bei einem Seminar in der Steiermark.

Die Neuraminidase ist ein Enzym, welches das Virus braucht, um sich von der Wirtszelle zu trennen. Hemmstoffe verhindern durch eine selektive Blockade des aktiven Zentrums der Neuraminidase des Virus die Freisetzung der neu gebildeten Viruspartikel aus der infizierten Zelle und somit deren weitere Ausbreitung. Dadurch wird " wenn die Medikamente binnen 48 Stunden nach Auftreten der Symptome eingesetzt werden " die Krankheitsdauer und die Häufigkeit von Nebenwirkungen reduziert. Derzeit gibt es zwei solcher Wirkstoffe, Oseltamivir und Zanamivir. Sie blockieren die Vermehrung von Influenza A- und Influenza B-Viren. Die erste Substanz wird in Pillenform eingenommen, die zweite als Pulver inhaliert. Die Behandlung dauert üblicherweise fünf Tage.

Eine Analyse verschiedener klinischer Studien konnte zeigen, dass der Antibiotikabedarf durch die

Behandlung mit Neuraminidase-Hemmern um 27 Prozent reduziert werden konnte. Darüber hinaus kam es zu einer Verringerung von komplizierten Superinfektionen um 55 Prozent. Außerdem konnte die Hospitalisierungsrate um 59 Prozent reduziert werden. Die Influenza-Symptome nahmen in ihrer Schwere um 40 Prozent ab.

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