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Die Entzündungsaktivität der RA kann durch die Schwangerschaft beeinflusst werden.
 
Innere Medizin 3. Juni 2013

Das lässt sich vereinen

Rheumatoide Arthritis und Kinderwunsch.

Ein Fünftel der Frauen mit rheumatoider Arthritis erhält die Diagnose noch vor der ersten Schwangerschaft. Und weil sich die erste Mutterschaft in ein immer späteres Lebensalter verschiebt, wird dieser Anteil noch steigen. Was bedeutet die Schwangerschaft für die Erkrankung und die Erkrankung für die Schwangerschaft?

Frauen mit rheumatologisch-immunologischen Erkrankungen haben weniger Kinder als Frauen in der Allgemeinbevölkerung. „Tatsächlich bekommt etwa die Hälfte der Frauen, bei denen die Diagnose vor Abschluss der Familienplanung gestellt wird, weniger Kinder, als sie sich ursprünglich gewünscht hatten“, veranschaulichte Dr. Rebecca Fischer-Betz von der Poliklinik für Rheumatologie des Universitätsklinikums Düsseldorf die Situation im Rahmen des 119. Kongresses der DGIM. Das liegt zum einen an medizinischen Gründen wie beispielsweise einer leicht erhöhten Infertilitätsrate bei Frauen mit rheumatoider Arthritis. Zum anderen kommt die persönliche Entscheidung der Patientin angesichts einer chronischen Erkrankung mit oft dauerhafter Therapie und der Sorge um das Kind hinzu. Umso wichtiger ist eine fundierte Schwangerschaftsberatung und -planung für Frauen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

Verbesserungen während der Schwangerschaft

Ermutigend für Patientinnen mit rheumatoider Arthritis und Kinderwunsch sollte sein, dass sich eine Schwangerschaft zunächst häufig positiv auf die Krankheitsaktivität auswirkt. So dokumentierten niederländische Wissenschaftler in der prospektiven, multizentrischen PARA (Pregnancy-induced Amelioration of Rheumatoid Arthritis)-Studie bei etwa der Hälfte der 84 Patientinnen mit rheumatoider Arthritis eine Verbesserung der Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft, berichtete Fischer-Betz.

Allerdings: Nach der Geburt komme es meistens zu einer Reaktivierung der Erkrankung. Interessant sei auch eine weitere Auswertung der prospektiven PARA-Studie: Demnach erleben seropositive RA-Patientinnen signifikant seltener eine Verbesserung der Krankheitsaktivität in der Schwangerschaft als seronegative Patientinnen.

Niedrigeres Geburtsgewicht

Hinsichtlich des Schwangerschaftsverlaufs sei man lange davon ausgegangen, dass sich dieser nicht von dem bei Frauen aus der Normalbevölkerung unterscheide, sagte Fischer-Betz. Auswertungen großer Register hätten nun aber ein etwas differenzierteres Bild ergeben. So bestätigte unter anderem die Analyse norwegischer Daten, dass bei werdenden Müttern mit rheumatoider Arthritis vermehrt mit Frühgeburten, Kaiserschnitt-Entbindungen und Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht zu rechnen ist. Hier zeigt sich laut Fischer-Betz ein möglicher Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung: So bekamen in der PARA-Studie Frauen mit hoher Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft im Mittel um 300 g leichtere Kinder als Frauen, deren Erkrankung gut eingestellt bzw. weniger aktiv war. Um das einzuordnen, verglich Fischer-Betz: „Genau so viel wiegen Neugeborene weniger, deren Mütter während der Schwangerschaft rauchten.“ Darüber hinaus wiesen in den letzten Jahren Daten aus Skandinavien auf eine leicht erhöhte perinatale Mortalität bei Kindern von diesen Patientinnen hin.

Mittlerweile sind die Kinder der PARA-Studie im Durchschnitt fünf Jahre alt. Ihre Entwicklung beschreibt laut Fischer-Betz eine weitere Analyse. Dabei zeigte sich, dass Babys von Müttern mit hoher Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft in den ersten sechs Lebensmonaten ein signifikant rascheres Aufholwachstum hinlegten. Dies sei in der Normalbevölkerung mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko und metabolischen Veränderungen assoziiert. Fischer-Betz: „Die Krankheitsaktivität der Mutter könnte also auch für die spätere Gesundheit des Kindes eine Rolle spielen.“

Therapie in anderen Umständen

„Viele Patientinnen brauchen eine medikamentöse Therapie in der Schwangerschaft“, betonte Fischer-Betz. Bei Krankheitsschüben seien Kortikoide die Medikamente der Wahl. Wende man sie in der Schwangerschaft allerdings in höheren Dosen über längere Zeit an, habe dies sicherlich unerwünschte Effekte: Dann seien beispielsweise die Raten von Präeklampsien und Frühgeburten erhöht. Unter den DMARDS seien sicher Methotrexat und wahrscheinlich Leflunomid als teratogen einzustufen; möglich sei dagegen die Anwendung von Hydroxychloroquin und Sulfasalazin. Infrage komme auch Azathioprin oder Cyclosporin. Mittlerweile gebe es zudem eine zunehmende Zahl von Schwangerschaften, bei denen aufgrund fehlender therapeutischer Alternativen auch TNF-alpha-Inhibitoren vor allem im ersten Trimenon sicher eingesetzt worden seien. Besonders am Herzen lag Fischer-Betz die richtige Aufklärung der Frauen über die Sicherheit der Medikamente, um die Compliance zu erhöhen.

springermedizin.de , Ärzte Woche 23/2013

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