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Judith Draxler-Hutter beim Trinkversuch im Rheuma-Anzug.
© Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation/ Foto

Initiator Prof. Dr. Winfried Graninger mit den beiden ehemaligen Spitzensportlern Judith-Draxler-Hutter und Harald Winkler.

Judith Draxler-Hutter und Harald Winkler absolvierten alltägliche Situationen im Rheuma-Anzug.

Selbst das Richten der Brille wird im Rheuma-Anzug zu einer Herausforderung.

Prof. Dr. Winfried GraningerKlinische Abteilung für Rheumatologie, Medizinische Universität Graz

 
Innere Medizin 7. Juni 2013

Einfachste Bewegung wird zum Kraftakt

Spitzensportler im Rheuma-Anzug: Judith Draxler-Hutter und Harald Winkler setzen sich für Früherkennung von rheumatischen Erkrankungen ein.

Der diesjährige steirische Rheumatag bot ein besonderes Highlight: Die ehemalige Weltklasse-Schwimmerin Judith Draxler-Hutter und der Viererbob-Olympiasieger Harald Winkler schlüpften in einen Rheumaanzug, der die körperlichen Einschränkungen einer Rheumaerkrankung simulieren kann, und ließen das Publikum live an ihren Eindrücken teilhaben. Mit dieser Aktion wollten sie auf die Bedeutung der Früherkennung von entzündlich rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis aufmerksam machen.

Ein Bewusstsein für die Erkrankung ist eine wesentliche Voraussetzung für eine frühe Diagnose und eine rasche Einleitung einer adäquaten Behandlung. Nur so könnten schwere Krankheitsverläufe und Gelenkszerstörung verhindert werden, und die Lebensqualität der Betroffenen bleibe erhalten, bekräftigte Organisator und Rheumatag-Mitbegründer Prof. Dr. Winfried Graninger von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie an der Medizinischen Universität Graz.

„Mit dem Rheumaanzug konnte ich meine Schuhe nicht mehr selbst anziehen, und selbst der Weg auf die Bühne war ein wahrer Kraftakt“, berichtet Judith Draxler-Hutter von den simulierten rheumatischen Bewegungseinschränkungen. „Die Schmerzen der Rheuma-Patienten kann dieser Anzug jedoch nicht simulieren. Insofern kann man als gesunder Mensch wohl niemals wirklich nachvollziehen, wie es Betroffenen ergeht “, ergänzt die ehemalige Weltklasseathletin.

Der Alltag wird zu einer Herausforderung

„Im Rheumaanzug sind Bewegungen nur sehr eingeschränkt möglich. Jede kleinste Bewegung erfordert viel Kraft und macht müde. Eine Flasche Wasser zu öffnen war nahezu unmöglich. Es ist sehr unangenehm, wenn man Bewegungen nicht zu hundert Prozent so ausführen kann, wie man möchte. Das kann frustrieren“, bestätigt Harald Winkler. „Je früher rheumatische Erkrankungen erkannt und behandelt werden, umso eher haben Betroffene die Chance, länger beweglich und aktiv zu bleiben. Deshalb unterstütze ich die Initiative und diesen Rheumatag“, erklärt der Olympiasieger von 1992 im Viererbob sein Engagement.

Besorgungen alleine machen, eigenständig ins Auto ein- und aussteigen, Staubsagen, den Garten jäten, Schuhe binden, Haare waschen oder eine Milchpackung öffnen: Alltägliche Handlungen können für Rheuma-Betroffene zum wahren Kraftakt werden. Eine Früherkennung der Erkrankung, gefolgt von einer guten Therapie kann zur Erhaltung der Lebensqualität führen.

Praktische Ärzte – erste und wichtigste Ansprechpartner

Der 4. Steirische Rheumatag stand deshalb ganz im Zeichen der Früherkennung und Erhaltung der Lebensqualität für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen. Denn vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose einer rheumatoiden Arthritis vergehen oft mehrere Jahre. „Zu Beginn äußert sich eine rheumatoide Arthritis mit vereinzelten Schwellungen, unspezifischen Gelenks- und Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit“, erklärte Graninger. Im weiteren Verlauf können Morgensteifigkeit sowie vermehrt Gelenkschmerzen und -schwellungen hinzukommen, die auch zur Bewegungseinschränkung führen.

Die Gelenke sind dabei immer symmetrisch befallen, also sind beispielsweise der Ringfinger der rechten UND der linken Hand betroffen. Unspezifische Symptome wie Schwäche, Ermüdung, Unwohlsein, Fieber, Gewichtsabnahme oder Depressionen treten ebenso begleitend auf.

„Den praktischen Ärzten kommt als erster und wichtigster Ansprechpartner für die Gesundheitsbelange der Patienten natürlich auch in unserem Feld eine enorme Bedeutung zu”, bekräftigte Graninger, der die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen verschiedenen medizinischen Disziplinen noch weiter intensivieren möchte.

Einheitliche Diagnosekriterien für bessere Früherkennung

Im Rahmen des steirischen Rheumatages fand deshalb auch eine Fortbildungsveranstaltung mit Allgemeinmedizinern statt, in der u. a. einheitliche Diagnosekriterien für rheumatoide Arthritis präsentiert wurden. „Damit wird es für praktische Ärzte einfacher, rheumatoide Arthritis in Betracht zu ziehen und Patienten früher an einen Rheumatologen zu überweisen, der mit Hilfe von Blut- und Labortests sowie bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie Verdachtsfälle abklären kann. So können wir frühzeitig die richtige Diagnose stellen und mit den Betroffenen einen Behandlungsplan erarbeiten. Dadurch können Folgeschäden wie Gelenkszerstörungen oder Knochendeformationen verhindert werden“, so Graninger zuversichtlich und unterstrich auch die Relevanz derartiger Informationsveranstaltungen.

Rheuma hat viele Gesichter

Unter dem Begriff „Rheuma“ werden verschiedene Erkrankungen zusammengefasst; darunter entzündlich rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen wie Arthrose, aber auch Weichteilrheumatismus (z. B. Fibromyalgie), Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden oder pararheumatische Erkrankungen wie Osteoporose und Gicht.

Rund zwei Millionen Menschen sind in Österreich von einer Erkrankung aus dem rheumatischen Formenkreis betroffen, zu dem über hundert Erscheinungsformen zählen. An rheumatoider Arthritis, einer systemischen Autoimmunerkrankung, die von einer chronischen Entzündung der Gelenke mit bevorzugter Manifestation an kleinen und mittleren Gelenken und einem schubweisen Verlauf gekennzeichnet ist, leiden österreichweit ungefähr 55.000 Personen.

4. Steirischer Rheumatag, 25. Mai 2013, Graz

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