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Innere Medizin 30. Juni 2005

Hepatitis C: Heilungschancen steigen

Die erste österreichische Hepatitis C-Multicenterstudie TRIPEG erzielte nach 48 Behandlungswochen mit PEG-Interferon alpha 2a und Ribavirin bei Interferon- sensiblen Genotyp 1-Patienten eine ausgezeichnete Heilungsrate von 87 Prozent.

„Das wichtigste Therapieziel ist erreicht, wenn es gelingt, die Hepatitis C zu heilen, denn in diesem Fall können schwere Komplikationen wie Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs verhindert werden“, berichtete Prof. Dr. Peter Ferenci, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Klinik für Innere Medizin IV, AKH Wien, am 26. Mai 2004 im Wiener ORF KulturCafe bei der Präsentation der kürzlich beendeten ersten österreichischen Hepatitis C-Multicenterstudie TRIPEG. Die definierten Ziele der Hepatitis C-Therapie sind somit eine dauerhafte Eliminierung der Virus-RNA aus dem Blut, eine Normalisierung der Transaminasen und eine Verbesserung des Leberparenchyms.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist das Vorliegen Interferon-sensitiver HCV-Stämme, die prompt auf exogen zugeführtes Interferon reagieren. Bereits in einer 2001 im Lancet publizierten Studie über den Interferon-Sensitivitätstest konnten Ferenci und Mitarbeiter zeigen, dass schon 24 Stunden nach einer einzigen Interferondosis die Viruskonzentration im Blut bei Interferon-sensitiven HCV-Stämmen um mehr als 90 Prozent absank. In der kürzlich beendeten randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Multicenterstudie zum Vergleich der Wirksamkeit und Verträglichkeit von pegyliertem Interferon alpha 2a (Pegasys®) und Ribavirin (Copegus®) mit oder ohne Amantadin Sulfat (TRIPEG) untersuchten Ferenci und Mitarbeiter aus 18 österreichischen Therapiezentren insgesamt 210 bisher unbehandelte Patienten mit Genotyp 1-Hepatitis C.

Interferon-Sensitivitätstest

Vor der Randomisierung wurde der Interferon-Sensitivitätstest durchgeführt und die Patienten gemäß des Abfalls der Viruskonzentration in drei Gruppen eingeteilt. Die Gruppe A wies den größten, Gruppe B einen mittleren und Gruppe C den geringsten Virusabfall auf. Die Patienten der Gruppe C hätten laut Ferenci nie auf eine Standard-Interferon-Therapie angesprochen. Die Patienten wurden 48 Wochen lang behandelt und 24 Wochen lang nachbeobachtet. In der Behandlungsphase erhielten die Patienten einmal pro Woche subkutan 180 µg Pegasys® und 1,0 g Copegus® täglich bei einem Körpergewicht zwischen 50 und 75 kg beziehungsweise 1,2 g Copegus® bei einem Körpergewicht über 75 kg. 114 Patienten wurde zusätzlich Amantadin verabreicht und 96 Patienten ein Placebo. Mit herkömmlichen Standard-Interferonen lagen die Heilungschancen der Hepatitis C vom Genotyp 1 bei 36 Prozent. Mit diesem Studienprotokoll konnten bei dem schwierig zu therapierenden Genotyp hervorragende Dauerheilungsraten erzielt werden. In der Treated per protocol-Analyse, betreffend jene Patienten mit planmäßiger Vollendung ihrer Therapie, erreichten 87 Prozent der Patienten aus der Gruppe A, 70 Prozent aus der Gruppe B und 36 Prozent aus der Gruppe C (Durchbrechung der Interferon-Resistenz) eine dauerhafte Heilung. Je höher die Interferon-Sensitivität und je geringer der Fibrosegrad, umso größer war der Behandlungserfolg. Zwischen der Amantadin-Gruppe und der Placebo-Gruppe zeigte sich kein Unterschied in der Ansprechrate.
Ferenci: „Patienten mit Interferon-sensitiven Hepatitis C-Genotyp 1-Stämmen zeigen in dieser Studie fast die gleich guten Heilungschancen wie jene mit den für gewöhnlich gut behandelbaren Genotypen 2 und 3. Ein Drittel der Patienten, die laut Sensitivitätstest mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Standard-Interferon-Therapie nicht ansprechen, können durch eine 48-wöchige Kombinationstherapie mit Pegasys® und Copegus® geheilt werden. Die Voraussage der Ansprechwahrscheinlichkeit wird in Zukunft helfen, die Dauer der Therapie zu individualisieren. Dies wird derzeit in einer weiteren österreichischen Studie überprüft.“„Die großen Therapiefortschritte auf dem Gebiet der chronischen Hepatitis C erfordern auch eine rasche Diagnosestellung, denn immerhin gibt es allein in Österreich rund 90.000 Menschen mit HCV-Infektion“, wies Prim. Doz. Dr. Michael Gschwantler, IV. Medizinische Abteilung, Wilhelminenspital Wien, auf Mängel in der „Awareness“ hin.

Mängel in der Awareness

„Bei allen Patienten, bei denen im Rahmen einer Routineuntersuchung erhöhte Leberwerte auffallen oder eine Lebererkrankung noch unklarer Ätiologie festgestellt wird, sollte auch an eine Infektion mit HCV gedacht werden. Zu bedenken ist aber auch, dass normale Leberwerte eine chronische Hepatitis C nicht mit Sicherheit ausschließen. Bei einem positiven Nachweis von HCV-Antikörper muss zur Diagnosesicherung noch die virale Nukleinsäure im Serum nachgewiesen werden. Die derzeitige Therapie der Wahl bei chronischer Hepatitis C besteht in der Kombination aus einem pegylierten Interferon alpha plus Ribavirin. Die empfohlene Therapiedauer beträgt 12 Monate für die Genotypen 1 und 4 sowie 6 Monate für die Genotypen 2 und 3.“

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