zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Wünsche und Ziele der Gastroenterologen

Mit der Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Optionen nimmt das Maß an Subspezialisierungen im Bereich der Gastroenterologie und Hepatologie zu. Oft ist es für Allgemeinmediziner schwierig, die praxisrelevanten Errungenschaften der wissenschaftlichen Forschungen in diesem Bereich herauszufiltern. 

Eines der Ziele, das sich die ÖGHH (Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie) gesetzt hat, ist die Verbesserung des Kontaktes mit den in der Praxis arbeitenden Kollegen. Die ÄRZTE WOCHE sprach mit der Präsidentin der Gesellschaft, Prim. Prof. Dr. Brigitte Dragosics, vom Gesundheitszentrum Wien Süd.

Welche Schwerpunkte setzte die Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie in den vergangenen Jahren?

Dragosics: International liegt die Aufmerksamkeit sicherlich im Bereich der Vorsorgemedizin. Insbesondere die Prävention des kolorektalen Karzinoms steht hier im Vordergrund. Mittlerweile gibt es gute "evidence-based" Daten, welche die Empfehlung nahe legen, bei jedem Menschen jenseits des 50. Lebensjahres einmal in zehn Jahren eine hohe Koloskopie durchzuführen. 
Im Jahr 1998 wurden 4.919 Erkrankungsfälle in Österreich registriert. Bis vor wenigen Jahren war das Ausmaß dieser häufigen Krebserkrankung noch nicht ausreichend in das Bewusstsein der Bevölkerung gedrungen. Mit Aufklärungsmaßnahmen hoffen wir, die Akzeptanz für Vorsorgemaßnahmen zu verbessern. 

Zur Zeit läuft im Burgenland ein bemerkenswertes Projekt zur Darmkrebsvorsorge, basierend auf Stuhlproben: Seit 12 Jahren werden in Oberpullendorf unter der Leitung von Oberarzt Dr. Karl Mach, der auch Präsident der Burgenländischen Krebshilfe ist, Teststreifen zur Feststellung von okkultem Blut im Stuhl an jede Person über 40 verschickt. Die Aktion stößt auf große Akzeptanz in der Bevölkerung.

Wie ist der Stand der Dinge bei entzündlichen Darmerkrankungen?

Dragosics: Die ÖGGH hat über 70,000 ?Forschungsgeld zur Erstellung eines österreichweiten Registers für chronisch entzündliche Darmerkrankungen aufgebracht. Neben epidemiologischen Gesichtspunkten wird auf diese Weise versucht, die Therapie etwa von Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn zu optimieren. 
Die Arbeitsgruppe der Gesellschaft hat bereits gute Vorarbeit hierfür geleistet, nun können durch die Einbringung weiterer Daten, wie etwa Responderraten, die Effizienzen der Behandlungen ersichtlich gemacht werden. Über entsprechende Evaluierungsbögen wurden bereits 133 Patienten erfasst, die eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern gegen den Tumor-Nekrose-Faktor alpha erhielten. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Kosten dieser Therapie scheint eine Beurteilung der Wirksamkeit sinnvoll.

Im Bereich der Hepatologie ist Österreich international gesehen fast federführend...

Dragosics: Die Forschungen, die in unserem Land auf diesem Gebiet gemacht werden, sind nicht zuletzt durch den Arbeitsgruppenleiter des Bereiches Hepatologie der ÖGGH, Prof. Dr. Peter Ferenci, weit über die Grenzen hinaus anerkannt. Vor allem Spitzenpublikationen zur Therapie der Hepatitis C sind international beachtete Arbeiten. 

Sollte die Hepatitis-Impfung auch bei Personen, die keiner Risikogruppe angehören, empfohlen werden?

Dragosics: Die ÖGGH empfiehlt die Aktivimpfung Hepatitis A und B insbesondere bei Reisen, allerdings auch in anderen Fällen. Im Kinderimpfprogramm bereits als Standard eingeführt, scheint eine Durchimpfung der Bevölkerung sinnvoll, da die Hepatitis B in zehn Prozent der Fälle chronifiziert und in akuten Fällen auch heute noch zum Tod führen kann. 
Hepatitis C ist ein Thema, das in jüngerer Zeit wieder von sich reden machte. 

Ist die Gefahr durch die vorgeschriebenen Screeninguntersuchungen der Blutkonserven noch nicht gebannt?

Dragosics: Seit 1999 wird jede Blutkonserve mittels PCR-Methoden gescreent, so dass dieser Weg der Übertragung, der den häufigsten Modus darstellte, mittlerweile auszuschließen ist. Bis zum Jahr 2015 wird es keine Konserveninfektionen mehr geben. 
Ansteckungen mit dem Virus, die im Krankenhaus erfolgen, sind voraussichtlich durch andere Quellen, etwa das Personal betreffend, zu erklären. Schließlich kann eine Hepatitis C-Infektion unbemerkt bleiben und es trotz erhöhter Vorsicht über kleine Verletzungen der Haut zur Übertragung kommen. 
Auch in der Drogenszene ist durch vermehrte Aufklärung und den Gebrauch von Einmalnadeln die Neuinfektion mit Hepatitis C rückläufig. Solange es jedoch keine Aktivimpfung gibt, wird die Erkrankung bestehen bleiben. 

Was würden Sie sich als Präsidentin der ÖGGH für die Zukunft wünschen?

Dragosics: In Zukunft gilt es, die gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten weiter zu verbessern. Vor allem regional bieten wir viele Fortbildungsveranstaltungen an. Personen der Fachgesellschaft werden gerne von Bezirksärzteorganisationen eingeladen, um über die praktischen Auswirkungen der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu referieren.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben