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Innere Medizin 30. Juni 2005

Der "Wassermelonen-Magen"

Beim "Wassermelonen-Magen" finden sich im Magenantrum streifig angeordnete Gefäßektasien, die dem endoskopischen Befund das Aussehen der wässrigen Frucht verleihen. 

Chronische Blutungen durch Gefäßektasien

Die Gefäßektasien sind mehr als endoskopisch interessante Normvarianten. Sie können einen chronischen gastrointestinalen Blutverlust mit hohem Transfusionsbedarf bewirken. Die Symptome bei den Patienten sind variabel: Sie reichen von Symptomlosigkeit über chronisch okkulte Blutungen mit Eisenmangel bis zu rezidivierenden akuten oberen gastrointestinalen Blutungen.
Wie es zur Bildung der Gefäß-ektasien kommt, ist unklar; möglicherweise sind eine lokale Freisetzung von Vasodilatatoren und Wachstumsmediatoren, eine portale Hypertonie oder ein intermittierender Antrumprolaps pathogenetisch bedeutsam. 

Auffällig ist auch die hohe Koinzidenz dieser Erkrankung mit Autoimmunerkrankungen wie der Typ-A-Gastritis und Kollagenosen. 40 Prozent der Patienten haben eine Leberzirrhose. 
Der Wassermelonen-Magen ist eine endoskopische Blickdiagnose. Eine histologische Untersuchung ist nicht zwingend erforderlich.
Bei der Therapieentscheidung müssen viele Faktoren wie die Ausdehnung der Läsionen, Blutungsintensität, Alter, Allgemeinzustand und Komorbidität berücksichtigt werden; eine generelle Therapieempfehlung gibt es nicht. 

Die Antrumresektion als einzig kurative Maßnahme ist aufgrund des häufig hohen Alters der Patienten und der Komorbiditäten meist nicht anwendbar. 
In Frage kommt auch die Laserkoagulation, eine endoskopisch-interventionelle Therapieoption. Eine komplette Eradikation der Ektasien ist aber meist nicht möglich.
Kostengünstige und effektive Alternativen sind die endoskopische Thermokoagulation und die Argon-Plasma-Koagulation. Die Perforationsgefahr ist hierbei gering, da die Tiefenausdehnung der Koagulation gut definiert werden kann.
Auch Hormontherapie kann helfen

Außer diesen Verfahren ist eine medikamentöse Therapie mit
Östrogen-Progesteron-Kombinations-Präparaten eine Möglichkeit, wobei der Wirkungsmechanismus der Sexualhormone bei dieser Erkrankung unbekannt ist. Alternativ ist eine Therapie mit dem langwirksamen Somatostatin-Antagonisten Octreotid zu erwägen. Beta-Blocker, säureneutralisierende Substanzen, H2-Blocker und PPI? haben keinen Effekt auf die Blutungsfrequenz und -intensität bei diesen Patienten.

Quelle: Dr. Frank Lammert et al, Universitätsklinikum Aachen
(Dt.Med Wschr 126, 2001, 953).

ÄZ/ M. Dietrich, Ärzte Woche 16/2001

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