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Innere Medizin 30. Juni 2005

Prävention des Kolon-Karzinoms

Das kolorektale Karzinom ist in Österreich die häufigste aller Krebsarten. Prof. Dr. Friedrich Renner vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Ried im Innkreis: "Verbesserte Vorsorgeuntersuchungen und Therapiemöglichkeiten bei Frühformen haben in den vergangenen zehn Jahren Experten zur Überzeugung gebracht, dass Dickdarmkrebs vermeidbar ist!" 

Für das Massenscreening ist der Hämoccult-Test die wichtigste Stütze. Der gegenwärtige Gold-Standard zur Diagnostik von Krebsformen im Darm ist die komplette Koloskopie. Eine zeitlich weniger belastende und aufwändige Alternative bietet die Rektosigmoidoskopie. Die Sensitivität dieser Untersuchung erreicht allerdings nur zwei Drittel der Koloskopie.

In einer rezenten Studie deutete die Stuhluntersuchung allein nur auf 23,9 Prozent aller kolorektalen Karzinome hin, die Sigmoidoskopie auf 70,9 Prozent. "Für Risikogruppen bleibt die Koloskopie also unerlässlich", meint Renner.

Jede Früherkennung macht lediglich dann Sinn, wenn entsprechende Therapieverfahren verfügbar sind. Eine Arbeit aus dem Jahr 2000 zeigt Chancen auf eine Chemoprävention bei gering ausgeprägten Schleimhautveränderungen. So scheinen Aspirin und andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) hyperproliferative Endothelien auf ihrem Weg zu kleinen Adenomen zu bremsen. Auf anderen Stufen könnten eventuell auch Folate, Kalzium oder Östrogen vorbeugend gegen Darmkrebs wirken.

Derzeit gültige Screening-Empfehlungen 

Ab einem Alter von 40 Jahren sollte eine jährliche Stuhluntersuchung auf okkultes Blut ebenso selbstverständlich sein wie eine koloskopische Kontrolle ab 50 in jedem fünften Jahr. Diese Empfehlungen gelten für Menschen mit durchschnittlichem Risiko für Dickdarmkrebs in Österreich. 
Bei erhöhtem Darmkrebsrisiko muss vorsorglich immer koloskopiert werden - Verwandte ersten Grades von Patienten mit kolorektalem Karzinom oder Adenom sollten sich fünf Jahre, bevor sie das Alter erreichen, in dem das Karzinom oder Adenom beim betroffenen Verwandten auftrat, Früherkennungsuntersuchungen unterziehen. 
Für Colitis-ulcerosa-Patienten gilt ein koloskopisches Kontrollintervall von acht, für Morbus-Crohn-Patienten von zehn Jahren. Lediglich wenn der gesamte Darm von der Colitis befallen ist, muss der behandelnde Proktologe alle ein bis zwei Jahre nach dem Rechten sehen.

Bestehen erbliche Vorbelastungen - eine familiäre adenomatöse Polypose (FAP), hereditäres nicht polypöses Kolonkarzinom (HNPCC), Peutz-Jeghers-Syndrom oder eine juvenile Polypose - können entsprechend dem oft frühen Erkrankungsalter vorgezogene genetische Beratungen und Vorsorgeuntersuchungen die Krebsentartung in Anfangsstadien erkennen und ihr Einhalt gebieten lassen. 

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