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Innere Medizin 30. Juni 2005

Hoffnung bei Morbus Crohn

"Für Morbus-Crohn-Patienten gibt es neue Hoffnung: Das neue Langzeit-Behandlungsschema mit dem bereits bekannten Wirkstoff Infliximab (Remicade®) hat in Vergleichsstudien ausgezeichnete Wirkung gezeigt. Operationen wegen Morbus Crohn könnten dadurch seltener werden", sagt Prof. Herbert Tilg von der Univ.-Klinik Innsbruck.

10.000 Menschen in Österreich betroffen

In Österreich sind etwa 10.000 Menschen von Morbus Crohn betroffen. Tilg: "Die meisten dieser Patienten bekommen eine medikamentöse Therapie, aber viele sind massiv untertherapiert!" Die Krankheit wird von einer "Fehlschaltung" im Immunsystem hervorgerufen, das sich nicht gegen Krankheitserreger, sondern körpereigenes Gewebe richtet. Durchfälle, Fieber, Gewichtsverlust und starke abdominelle Schmerzen sind die Folge.

Bei fast einem Drittel der Patienten bilden sich Fisteln, die sich auf angrenzende Organe ausbreiten können. Die Konsequenz für die Betroffenen ist meist eine Operation mit Entfernung von Teilen des Darms. "60 bis 70 Prozent aller Crohn-Patienten benötigen im Laufe ihres Lebens einen operativen Eingriff", so Tilg. Das könnte nun anders werden. Infliximab wirkt vor allem gegen die Fisteln, die sich zurückbilden - die Schleimhaut kann wieder regenerieren.

Ermutigende Studienergebnisse

Der Wirkstoff Infliximab wurde bislang für Kurzbehandlungen eingesetzt, was immerhin zu einer 1- bis 3-monatigen Verbesserung des Krankheitsbildes führte. "Neuen internationalen Studienergebnissen zufolge verspricht die Langzeitbehandlung mit Infliximab dauerhafte Besserung und eine signifikant höhere Lebensqualität. Das ist die erste Therapie, die eine nachhaltige Besserung ermöglicht, statt nur punktuell das ?ufflackern?des Morbus Crohn zu behandeln", meint Tilg.

Im Rahmen der Digestive Disease Week in Atlanta, USA, wurde Ende Mai die Studie vorgestellt, die sowohl Sicherheit als auch Wirksamkeit einer Dauertherapie mit Infliximab bestätigt. Daran nahmen insgesamt 335 Morbus-Crohn-Patienten aus den USA und Europa teil, die zuvor positiv auf die Einmaldosis reagiert hatten.

Eine Gruppe bekam durch 30 Wochen Infliximab in einer hohen Dosierung, die zweite in einer niedrigen Dosierung und die dritte erhielt ein Plazebo. In der 30. Woche kam es bei jenen Patienten, die den Wirkstoff erhalten hatten, im Vergleich zur Plazebo-Gruppe zweimal so oft zu einem Stillstand der Krankheit.

Weitere Ergebnisse (siehe Grafik): Bei 45 Prozent der Patienten, die die höhere Dosis erhalten hatten, kam es zu einer Remission; fast 39 Prozent hatten nach der niederen Dosis keine Beschwerden mehr. In der Plazebo-Gruppe kam es nur bei 21Prozent der Patienten zu einem Stillstand der Krankheit.

Alle Patienten, die über längere Zeit mit Infliximab behandelt wurden, berichteten über eine weit bessere Lebensqualität als die Vergleichsgruppe. Grund dafür war einerseits der Rückgang bzw. Stillstand der belastenden Symptome, andererseits der Wegfall weiterer Medikamente. Denn die bei Morbus Crohn oft verabreichten Steroide, die massive Nebenwirkungen haben, wurden überflüssig.

Tilg: "Für die Patienten würde in der Behandlung des Morbus Crohn eine Alternative zu den Steroiden eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bedeuten."

Dr. Myriam Hanna-Klinger, Ärzte Woche 28/2001

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