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Innere Medizin 30. Juni 2005

Bauchschmerzen: Was tun?

Als abdominelle Schmerzauslöser an Schleimhäuten, Hohlorganen und Peritoneum viszerale fungieren Dehnung und Kontraktion, während chemische, toxische und entzündliche Reize auf das Peritoneum parietale, Meso- und Retroperitoneum einwirken.

"Durch gezielte Fragestellung sollte sich der Schmerzcharakter abklären lassen", empfahl OA Dr. Christian Armbruster bei einem "Klinischen Samstag" der Rudolfstiftung, Wien.

Viszeral oder somatisch

Viszerale Schmerzen wie beispielsweise Koliken imponieren als diffus, intermittierend, quälend und sind meist auch durch Schwitzen, Übelkeit und Blässe charakterisiert. Der Patient wirkt motorisch unruhig, weil er versucht, durch Lageänderungen eine Besserung herbeizuführen. 

Somatische Schmerzen wie bei einer Peritonitis oder Appendizitis, sind umschrieben, ständig vorhanden und scharf. Hier wird meist eine Schonhaltung eingenommen. Natürlich gibt es auch Übergänge zwischen beiden Formen: so verlagern sich die anfänglich diffusen periumbilikalen Schmerzen der Appendizitis schließlich in umschriebene Beschwerden im rechten Unterbauch.

Alarmzeichen

Auch die Art der Ausstrahlung kann Hinweise geben auf den Hauptort des Geschehens: so etwa strahlt die Gallenkolik zur rechten Schulter, die Pankreatitis zur Kreuzbeingegend und die Ureterkolik Richtung Oberschenkel aus. Sogar den Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens der Beschwerden im Tages- (oder Jahres-)verlauf sollte man beachten.

Als Alarmzeichen des Bauchschmerzes bewertet Prim. Doz. Dr. Werner Weiss eine kurze Anamnese, Fieber und Blutung (Anämie), vor allem bei Patienten jenseits des 50. Lebensjahres. Eine vorangegangene NSAR-Therapie kann dabei eine Rolle spielen. Gravierend sind nächtliche, lokalisierte Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken, Dysphagie und Erbrechen.

Akutes Abdomen

Ein besonders sensibles Kapitel stellt das akute Abdomen dar. Die Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung ist - speziell bei plötzlich nachlassenden Beschwerden - oft nicht ganz einfach. Die Schmerzminderung muss nämlich nicht Genesung bedeuten, sondern kann durch Nachlassen der Nozizeption bei Ischämie oder aber durch Dekompression infolge Perforation hervorgerufen sein. "Zusätzlich gibt es eine Reihe von Erkrankungen, die ein akutes Abdomen vortäuschen, aber auch hier handelt es sich meist um bedrohliche Notfälle. Die Hospitalisierung sollte im Zweifel eher großzügig erfolgen", riet Prim. Prof. Dr. Rudolf Roka. Besonders schwierig gestaltet sich die Abgrenzung oft zum gynäkologischen Bereich. Bei 25% der Patienten bleibt die Diagnose trotz Einsatz aller Untersuchungsmethoden bis zur Eröffnung der Bauchhöhle unklar.

Die eigentlichen Ursachen des Bauchschmerzes können aber auch extraabdominell lokalisiert sein, wie Prim. Prof. Dr. Jörg Slany betonte. In erster Linie kommen hier thorakale, neuro- bzw. psychogene und vaskuläre Erkrankungen in Frage - oder aber metabolische Störungen, Intoxikationen sowie eine Reihe weiterer seltener Erkrankungen. Am besten bekannt sind wohl die Ausstrahlungen von Herz-, Lungen- oder Ösophaguserkrankungen ins Abdomen. Ebenso fahndet man nach Wirbelsäulenleiden, Herpes zoster oder psychoneurotischen Ursachen. Trotzdem sind endokrine Erkrankungen wie diabetische Ketoazidose, Urämie, Thyreotoxikose oder Phäochromozytom immer in die Überlegungen einzubeziehen. Sehr selten kommen Blei- oder Thalliumintoxikation sowie Porphyrie in Frage. 

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