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Innere Medizin 30. Juni 2005

Barrett-Ösophagus

In den letzten 30 Jahren hat sich die Häufigkeit des Barrett-Ösophagus, der schwersten Form der gastroösophagealen Refluxkrankheit, verfünffacht. In absoluten Zahlen ist das Auftreten des als Folgeerscheinung befürchteten Barrett-Karzinoms aber immer noch gering: 1,7 Fälle auf 100.000 Einwohner pro Jahr. Im Vergleich dazu treten Magenkarzinome bei 20 und Kolonkarzinome sogar bei 60 von 100.000 Einwohnern pro Jahr auf. Wenn es zur Ausbildung eines Barrett-Karzinoms kommt, sind die Therapiemöglichkeiten aber leider gering. Die Fünf-Jahre-Überlebensrate liegt bei nur 10 Prozent.

Stellvertretend für ihre Disziplinen diskutierten Prim. Doz. Dr. Gerhard Schwab, Leiter der Chirurgischen Abteilung Krems, und Prof. Dr. Günter Krejs, Vorstand der Medizinischen Universitätsklinik Graz, im Rahmen des Van Swieten-Kongresses in Wien die Frage der Gefährlichkeit des Barrett-Ösophagus.

Hinsichtlich der Behandlung des Barrett-Ösophagus vertreten Chirurgen und Gastroenterologen traditionell unterschiedliche Standpunkte. Während die Gastroenterologen nur für jene 10 Prozent der Patienten, die nicht auf Medikamente ansprechen, einen chirurgischen Eingriff vorsehen, plädieren die Chirurgen für eine Ausweitung der Indikation.

Schwab: "Insbesondere junge Patienten, die sonst lebenslänglich Medikamente nehmen müssten, sowie Patienten mit schwerem Reflux und solche, die unter pulmologischen Beschwerden leiden, profitieren von einer dauerhaften Lösung mittels laparoskopischer Fundoplikation."

Mit 400 bis 500 Fundoplikationen pro Jahr werden diese in Österreich eher selten durchgeführt; im bevölkerungsmäßig gleich großen Schweden werden jährlich 1.500 vorgenommen.

Für die Gastroenterologen ist der Barrett-Ösophagus eine Krankheit mit häufig geringen oder fehlenden subjektiven Beschwerden. Er ist nicht reversibel, auch nicht durch einen chirurgischen Eingriff. Das Auftreten von Dysplasien kommt selten vor. Neun von zehn Patienten mit Barrett-Ösphagus entwickeln nie eine Dysplasie. Selbst bei Vorliegen von hochgradigen Dysplasien kommt es nur bei etwa 30 Prozent zur Karzinombildung. Außerdem sind regelmäßige Gastroskopiekontrollen auch nach einer Operation erforderlich.

Die Gastroenterologen empfehlen daher eine medikamentöse Therapie mit den hochpotenten Protonenpumpenblockern, allerdings nur bei Beschwerden, und regelmäßige Magenspiegelungen im Rahmen eines Kontrollprogramms: "Symptom relief is an appropriate endpoint for the therapy of Barrett? esophagus." (Guidelines des American College of Gastroenterology)

Für die Chirurgen handelt es sich beim Barrett-Ösophagus um die schwerste und gefährlichste Folge der Refluxkrankheit mit einem Karzinomrisiko von 0,4 Prozent pro Jahr. Ziel der Antirefluxoperation ist es, die ständige Exposition der Speiseröhre mit schädigenden Substanzen dauerhaft zu beseitigen. Auf diese Weise werden höchstwahrscheinlich auch das Fortschreiten der Ausdehnung der Barrett-Schleimhaut und das Entstehen von Dysplasien verhindert. In einzelnen Literaturberichten ist sogar von einer Rückbildung der Barrett- Schleimhaut die Rede.

Die Therapieempfehlung bei Barrett-Ösophagus lautet daher: Durchführung einer Antirefluxoperation und regelmäßige Magenspiegelungen im Rahmen eines Kontrollprogramms (in zweijährigen Abständen), bei Vorliegen einer gering- und mittelgradigen Dysplasie halbjährlich. Bei hochgradiger Dysplasie sind eine Resektion der Speiseröhre oder eine Ablationsmethode indiziert.

Schwab wies darüber hinaus auf eine neue Studie der Universitätsklinik für Chirurgie Innsbruck hin, die bereits von der Annuals of Surgery angenommen wurde. Diese lässt den Schluss zu, dass auch bei niedrigen Stadien der Refluxkrankheit unter bestimmten Voraussetzungen die operative Therapie der konservativen überlegen ist.

Einig waren sich Schwab und Krejs, dass eine Antirefluxoperation auf Grund ihrer Komplexität und der geringen Fallzahlen nur in ausgewählten Zentren stattfinden soll.

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