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Innere Medizin 30. Juni 2005

Koloskopie mit 50 rettet viele Leben

Das Dickdarm-Karzinom ist deshalb so gefährlich, weil der bösartige Tumor von außen unsichtbar ist und der Patient ihn lange nicht „spürt“.

Wenn klinische Symptome auftreten, ist es aber schon „sehr spät“. Daher ist die Früherkennung wichtig, betont Dir. Prim. Dr. Christian Sebesta, Ärztlicher Leiter am Wiener Donauspital. Bis zum Jahr 2000 sind die Neuerkrankungen konstant gestiegen. 1985 wurden 4.253 Neuerkrankungen gezählt, 2000 waren es 4.915.„Jeder Zweite, der an einem kolorektalen Karzinom erkrankt, stirbt an der Grundkrankheit“, warnt Sebesta. Die 5-Jahres-Überlebenschance differiert in Abhängigkeit vom Krankheitsstadium enorm. Sie liegt im Stadium IV, in dem bereits Lebermetastasen vorliegen, bei nur fünf Prozent, im Stadium III (auch Lymphknoten befallen) bei 25 Prozent und im Stadium II (Befall auf die Darmwand beschränkt) bei 75 Prozent. Bei Diagnose im Stadium I (nur Submukosa und Mukosa befallen) liegt die 5-Jahres-Überlebenschance bei immerhin 97 Prozent. Therapie der Wahl ist hier die chirurgische Entfernung, in allen anderen Stadien wird diese mit Chemotherapie kombiniert.

Empfehlungen der ÖGGH

Die „Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie“ empfiehlt als geeignete Vorsorgemaßnahmen bis zum 40. Lebensjahr das ärztliche Gespräch zur Erhebung von Risikofaktoren und eventueller erblicher Belastung. Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr soll einmal jährlich der „Occult-Blut-Test“ durchgeführt werden, und ab dem 50. Lebensjahr die Koloskopie in einem Abstand von fünf bis acht Jahren.„Wenngleich aus ärztlicher Sicht die Sinnhaftigkeit der Früherkennung außer Zweifel steht, so gibt es aber viele offene Fragen“, so Sebesta. Wie kann die gesunde Bevölkerung und nicht zuletzt die Ärzteschaft motiviert werden? Wie kann das Image der Untersuchung in Richtung einer „sanften Koloskopie“ verbessert werden? Woher sollen die harten Zahlen für die Kosten-Nutzen-Analyse kommen, die seitens der Versicherer verlangt wird? Wie garantiert man die entsprechende Qualitätssicherung (falsch positive/falsch negative Befunde) und die Honorierung? Wie sollte eine entsprechende Reihenuntersuchung hinsichtlich Zielsetzung, Strategie und Evaluierung aussehen? Und nicht zuletzt, soll opportunistisch oder organisiert vorgegangen werden? Im Jahr 2002 wurden in Österreich rund 210.000 Koloskopien registriert, was dem vorsorgemedizinischen Bedarf, der sich aus der Altersstruktur ergibt, bei weitem nicht entspricht. Vergleicht man damit US-Zahlen, so liegt dieser Wert dort doppelt so hoch. Dabei wurden 2002 in Österreich 44.526 Polypektomien durchgeführt, denen in 20 Prozent eine einfache Hyperplasie zugrunde lag. Die verbleibenden 35.621 Gewächse waren Adenome – 854 von ihnen invasive Karzinome, 4.628 Malignome mit hochgradiger Zellatypie – in Summe also 5.482 Karzinome inklusive unmittelbarer Vorstufen. Sebesta: „Die Koloskopie wird in die Vorsorgeuntersuchung aufgenommen, wird aber von den Krankenkassen auch schon bisher problemlos akzeptiert. Sie ist ja keine teure Untersuchung und in Österreich weithin verfügbar.“

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