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Innere Medizin 30. Juni 2005

Darmerkrankung von den Lippen ablesen

Bei therapieresistenter Schwellung der Mundschleimhaut sollte auch an einen Morbus Crohn gedacht werden. Eine Biopsie kann oft weiter helfen.

Ein 34-jähriger Patient klagt über anhaltende Schwellung der Lippen und der Mundschleimhaut mit Rhagaden und aphthösen Läsionen. Von dermatologischer Seite werden eine Reihe von Differenzialdiagnosen diskutiert. Quinke-Ödem, Kontaktdermatitis, atopisches Ekzem. Die Therapieversuche mit Antihistaminika und lokalen Steroiden sind jedoch nicht erfolgreich.

Epitheloidzellige Granulome

Anamnestisch lässt sich erheben, dass der Patient drei- bis viermal täglich weichen Stuhlgang hat. Kein Fieber, Gewicht stabil, keine Bauchschmerzen. Auch das Routinelabor ist unauffällig, ebenso wie die dermatophytische Untersuchung. Daraufhin wird die Biopsie an der Lippe vorgenommen, mit dem histologischen Befund eines epitheloidzelligen Granuloms im Sinne einer Cheilitis granulomatosa. Diagnostisch ist der Morbus Crohn dingfest gemacht. Die anschließende Ileokoloskopie zeigt Ulzerationen, aphthöse Läsionen und Pflastersteinrelief im terminalen Ileum. Der Mb. Crohn geht relativ oft mit extraintestinalen Symptomen an der Haut einher. Am häufigsten ist das Erythema nodosum, seltener das Pyoderma gangraenosum und die Akrodermatitis enteropathica. Auch nutritive Mangelzustände können bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu Hautsymptomen führen. Die Akrodermatitis wird durch Zinkmangel verursacht und der Mangel an Vitamin C und K ist für Purpura verantwortlich. 60 Prozent der Crohn-Patienten weisen orofaziale Symptome auf, deshalb lohnt es immer, bei unklaren Bauchbeschwerden in den Mund des Patienten zu schauen.

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