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Innere Medizin 21. März 2006

Ist Morbus Crohn bald kausal behandelbar?

Ein defekter Abwehrmechanismus mit Defensin-Mangel in der Darmschleimhaut könnte nach neuesten Untersuchungen Ursache des Morbus Crohn sein.

Über die Ursache der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wird bislang nur spekuliert. Der Aufklärung der Pathogenese des Morbus Crohn sind nun jedoch Forscher aus Stuttgart ein Stück näher gekommen. So konnte die Arbeitsgruppe um Prof. Eduard F. Stange, Chefarzt der Abteilung Gastroenterologie am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart, eine verminderte Expression von Defensinen bei Crohn-Patienten nachweisen.„Bei den Defensinen handelt es sich um körpereigene Peptide mit antibiotischer Aktivität“, erläuterte Stange. Defensine sind Bestandteil des angeborenen Immunsystems und schützen die Darmschleimhaut vor eindringenden Bakterien. Fehlen sie, kommt es zur Ausbildung eines kontinuierlichen Biofilms adhärenter Bakterien auf der Darmschleimhaut. Doch die anhaftenden Keime könnten offenbar auch in die Darmschleimhaut vordringen und Entzündungsprozesse unterhalten, so Stange bei einer Veranstaltung. Morbus Crohn sei somit eine Erkrankung, die durch einen defekten Abwehrmechanismus der Darm-Mukosa bedingt ist.
Die neuen Studienergebnisse dürften Konsequenzen für die Behandlung haben, sagte der Gastroenterologe. Die Daten belegten, dass die derzeitige Therapie bei Morbus Crohn lediglich auf die Entzündungsreaktion und damit auf ein Epiphänomen abzielt. Nun werde auch verständlich, warum eine antibakterielle Therapie nur partiell wirksam ist. „Sie behebt die Infektion, aber ersetzt nicht die lokal fehlenden Defensine“, so Stange. Mit diesen neuen Krankheitsgrundlagen ergäben sich auch Ansätze für die Entwicklung neuer, kausal orientierter Therapieformen. Etwa mit Wirkstoffen, die die Expression der Defensine stimulieren. Solche Effekte würden zum Beispiel bei der Behandlung mit E. coli Nissle beobachtet und seien auch durch den Schweinebandwurm Trichuris suis zu erzielen.

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