zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 29. April 2013

Alarm Druckdifferenz

Nach Schlaganfall Blutdruck an beiden Armen messen.

Abweichungen von 10 mmHg beim Blutdruck zwischen beiden Oberarmen sind ein Alarmzeichen nach einem Schlaganfall: Das Risiko, innerhalb von drei Jahren zu sterben, ist dann um ein Vielfaches erhöht.

Starke Unterschiede beim Blutdruck der beiden Oberarme werden vor allem bei Hypertonikern beobachtet und gehen mit einer schlechten Prognose einher. In einer vor zwei Jahren vorgestellten Metaanalyse wurden bei etwa 10 bis 20 Prozent der Hypertoniker Unterschiede zwischen beiden Armen von 10 – 15 mmHg systolisch beobachtet. Die Sterberate war bei diesen um etwa 60 Prozent erhöht, die kardiovaskuläre Mortalität sogar um das doppelte. Offenbar scheint die Lage bei ischämischem Schlaganfall- oder TIA-Patienten mit derartigen Druckunterschieden noch wesentlich dramatischer zu sein, berichten nun koreanische Neurologen um Dr. Jinkwon Kim von der Universität in Seoul (Neurology 2013; 80: 1457-1464).

In einer retrospektiven Analyse wurden Daten von 834 Schlaganfall- und TIA-Patienten ausgewertet, für die Messungen an beiden Oberarmen vorlagen. Der Blutdruck war bei den Patienten innerhalb von sieben Tagen nach dem Insult gemessen worden, drei von vier Patienten hatten einen Hypertonus. Etwa 10 Prozent der Patienten zeigten systolische Druckunterschiede von mehr als 10 mmHg zwischen beiden Armen, etwa 6 Prozent fielen durch ähnliche diastolische Differenzen auf.

Die Nachbeobachtungszeit betrug knapp drei Jahre, in dieser Zeit starben etwa 11 Prozent. Eine genaue Analyse der Sterberaten ergab für Patienten mit einer Interarmdifferenz von über 10 mmHg eine knapp zweifach erhöhte Gesamtsterberate, die kardiovaskulär bedingte Mortalität war sogar um das Zweieinhalbfache höher als bei Patienten ohne Druckdifferenzen.

Noch schlechtere Karten hatten die Patienten mit diastolischen Differenzen von mehr als 10 mmHg. Bei ihnen waren sowohl die Gesamtmortalität als auch die kardiovaskuläre bedingte Sterberate um etwa das Dreieinhalbfache höher als bei Schlaganfall- und TIA-Patienten ohne große Druckdifferenzen.

Alle Patienten wurden nach der Klinikaufnahme auch per Angiografie sowie mit transösophagealer Echokardiografie untersucht. Dabei fanden sich bei den Patienten mit auffälligen Interarm-Druckdifferenzen keine besonderen Zeichen einer Atherosklerose in den Zerebralarterien, den Koronargefäßen oder der Aorta. Allerdings hatten die Patienten vermehrt auffällige Werte beim Knöchel-Arm-Index. Dies ist ein Hinweis auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Für die Autoren ist die Blutdruckmessung beider Arme eine simple Methode, um Schlaganfall- sowie TIA-Patienten mit besonders schlechter Prognose zu ermitteln – um diese sollten sich Ärzte vermehrt kümmern.

Druckunterschiede von mehr als 10 mmHg gelten seit Längerem als Hinweis auf eine unerkannte arterielle Schädigung, und zwar auf der Seite, wo niedrigere Drücke auftreten. Beobachtet wurden bei solchen Patienten auch gehäuft eine höhere Steifheit der Aorta und eine linksventrikuläre Hypertrophie. Möglicherweise wird aber auch eine Hypertonie zu spät erkannt, wenn die Blutdruckmessung immer nur am Arm mit dem niedrigeren Druck stattfindet.

 

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 18/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben