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© Diego Cervo/shutterstock.com
In dünner Luft droht das Risiko für Höhenkrankheit.
 
Innere Medizin 2. Mai 2013

Reisen: Gut beraten in eisige Höhen

Akute Bergkrankheit ernst nehmen.

Wenn Patienten hoch hinaus wollen, sollten sie gut beraten werden. Mitunter ist auch eine medikamentöse Prophylaxe gegen die Höhenkrankheit nötig.

Bolivien wird als Ziel für Wanderer und Trekkingtouristen immer beliebter. Wer jedoch an die dünne Luft nicht gut angepasst ist, erlebt vermutlich schon bei der Anreise eine böse Überraschung: Der Flughafen der Hauptstadt La Paz liegt mit knapp 4100 Metern auf einer Höhe, in der besonders empfindliche Menschen bereits ein Lungen- oder gar ein Hirnödem entwickeln können.

Davon bleiben die meisten Touristen zwar verschont, weil sie sich sogleich ins tiefer gelegene Stadtzentrum begeben, doch auch dort werden sie auf etwa 3600 Meter die dünne Luft deutlich spürten und können eine akute Bergkrankheit entwickeln, berichtete Dr. Christoph Dehnert von der Sportmedizin des Uniklinikums Heidelberg beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin vom 6. bis 9. April 2013 in Wiesbaden.

Eine Prophylaxe kann sinnvoll sein

Damit der Urlaub nicht mit Kopfweh, Übelkeit, Schwindel und nächtlicher Atemnot beginnt, kann eine Prophylaxe mit Acetazolamid (2x125 mg/d) sinnvoll sein, vor allem dann, wenn jemand schon öfter in solchen Höhen Probleme hatte, sagte Dehnert. Es reiche, bei Ankunft mit der Behandlung zu beginnen und diese nach zwei bis drei Tagen abzusetzen. In dieser Zeit sollten sich Reisende möglichst ausruhen und nicht weiter aufsteigen. Generell empfiehlt er Wanderern, die in La Paz landen oder ihren Trip in vergleichbarer Höhe beginnen, sich einige Tage auf dieser Höhe vor Beginn der Tour auszuruhen und zu akklimatisieren.

Risiko abwägen

Generell sei eine medikamentöse Prophylaxe mit Acetazolamid immer dann zu erwägen, wenn ein mäßiges bis hohes Risiko für eine akute Bergkrankheit besteht. Für Dehnert ist das Risiko mäßig hoch, wenn Wanderer nicht an die Höhe angepasst sind und jenseits von 2500 Metern mehr als 500 Meter pro Tag aufsteigen. Dies sollten sie zwar möglichst vermeiden, es lässt sich aber nicht immer umgehen.

Ein hohes Risiko sieht der Sportmediziner dann, wenn die Wanderer und Bergsteiger schon einmal in vergleichbaren Situationen eine Bergkrankheit, ein Lungen- oder ein Hirnödem entwickelt hatten. In diesem Fall sollten sie 2x250mg Acetazolamid pro Tag nehmen. Zur Prophylaxe des Lungenödems eigneten sich auch Nifedipin (2x30 mg/d) oder Tadalafil (2x10mg/d).

Personen mit hohem Risiko sollten aber generell gefährliche Situationen meiden. Ihnen könne man etwa empfehlen, den Bolivientripp nicht in La Paz zu beginnen, sondern vielleicht in Peru. Dann bliebe genügend Zeit, sich langsam an die Höhe zu gewöhnen.

Körperliche Fitness schützt nicht vor Höhenkrankheit

Dehnert erinnerte auch daran, dass körperliche Fitness nicht vor Höhenkrankheit schützt. Allerdings machen fitte und trainierte Wanderer in großer Höhe nicht so schnell schlapp. Ab 1500 Metern nimmt pro hundert Meter die körperliche Leistungsfähigkeit um etwa ein Prozent ab. Auf 4500 Meter kann man also nur noch auf 70 Prozent seiner Leistungsfähigkeit zählen. Daher lohne es sich schon, vor dem Trekking gut zu trainieren, sagte er.

 

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 18/2013

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