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Innere Medizin 27. April 2013

Prävalenz und Assoziationen von potentiell unangemessenen Verordnungen bei österreichischen Pflegeheimbewohnern: Sekundäranalyse einer Querschnittsstudie

Grundlagen: Potentiell unangemessene Medikamentenverordnungen (potentially inappropriate prescriptions = „PIP“) sind eine bedeutende Ursache von unerwünschten Arzneimittel-assoziierten Wirkungen und führen zu vermehrten Kosten im Gesundheitssystem und vor allem bei Pflegeheimbewohnern zu erhöhter Morbidität und Spitalseinweisungen.

Ziel: Wenig ist bisher bekannt über die Zusammenhänge zwischen PIP und den Charakteristika von Pflegeheimbewohnern.

Methodik: Ziel unserer Studie war es, die Prävalenz und Assoziationen von PIP mit den Charakteristika der Bewohner und Pflegeheime zu analysieren.

Ergebnisse: Wir führten eine Sekundäranalyse einer Querschnittsstudie mit 48 von 50 möglichen Pflegeheimen und 1844 von 2005 möglichen Bewohnern eines definierten Bundeslandes in Österreich durch. Die Evaluierung der unangemessenen Verordnungen erfolgte anhand der „Österreichischen Liste der potentiell unangemessenen Arzneimittel“.

Schlussfolgerungen: Cluster-adjustierte multivariate Regressionsanalyse wurde angewandt, um die Assoziationen von PIP mit Charakteristika der Institutionen und Bewohner auszuwerten.

Die mittlere cluster-adjustierte Häufigkeit von Heimbewohnern mit mindestens einem PIP war 70,3 % (95 % CI 67,2–73,4). Die Anzahl der Bewohner mit mindestens einer psychotropen PIP war 1,014 (55 %). Die häufigsten PIP waren Prothipendyl (25,9 % der Bewohner), Lorazepam (14,5 %) und Diclofenac (6,1 %). Multivariate Regressionsanalyse zeigte eine inverse Assoziation von PIP mit kognitiver Einschränkung und signifikant positive Assoziationen mit ständiger Unruhe und ständigem negativem Verhalten der Bewohner.
Die Assoziationen von PIP mit Alter und männlichem Geschlecht zeigten uneinheitliche Resultate. Keine signifikanten Assoziationen wurden zwischen PIP und dem Betreuungsverhältnis zwischen Pflegepersonen und Heimbewohnern gefunden.
Unsere Studienresultate bestätigen, dass PIP bei Pflegeheimbewohnern weit verbreitet ist und zeigen, dass dringend effektive Strategien zur Reduktion von PIPs in Österreich notwendig sind. In anderen Ländern bereits durchgeführte erfolgreiche Initiativen und Interventionen könnten als Beispiele für Österreich herangezogen werden.

Eva Mann, Dr. Burkhard Haastert, Birgit Böhmdorfer, Thomas Frühwald, Prof. Bernhard Iglseder, Prof. Regina Roller-Wirnsberger, Prof. Dr. Phil Gabriele Meyer, Wiener klinische Wochenschrift 7/8/2013

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