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Innere Medizin 30. Juni 2005

Fieberkrämpfe bei Kindern nicht selten

Die häufigste Ursache einer gestörten Wärmeregulation mit Temperaturerhöhung kommt durch Pyrogene infolge einer Infektion zustande. Kleinkinder können mit einem zerebralen Krampfanfall reagieren. Bei der Senkung des Fiebers und der antikonvulsiven Therapie gilt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.

Die Temperaturregelung erfolgt über zwei Mechanismen. Im Zentralnervensystem erfolgt die Regulierung über den Hypothalamus und peripher über Thermorezeptoren der Haut und Muskulatur. Die zentrale Beeinflussung erfolgt in erster Linie durch das Interleukin-1 (IL-1), das nach antigener und mitogener Stimulation von T-Lymphozyten und Makrophagen produziert wird. Auch der Tumor Nekrose Faktor (TNF) und Interferon (INF) wirken temperaturerhöhend. Es gibt jedoch auch eine Reihe nicht-infektiöser Fieberursachen: entzündliche Erkrankungen, beispielsweise rheumatisches Fieber, Neoplasien wie beim Lymphom, Neuroblastom oder einer lymphatischen Leukämie, auch metabolische Entgleisungen wie bei Thyreotoxikose, Diabetes mellitus oder eine maligne Hyperthermie und Vergiftungen.
In der Peripherie wird die Temperatur mittels Vasokonstrikion und Vasodilatation reguliert. Bei einer peripheren Gefäßerweiterung wird Wärme abgegeben und bei einer Gefäßverengung wird Wärme gestaut. Das Muskelzittern ruft eine Wärmeproduktion hervor.

Ab 39 Grad Fiebersymptomatik

„Erst Temperaturen über 38 Grad Celsius sind beim Kind krankheitsverdächtig“, betonte Prof. Dr. Radvan Urbanek, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Wien, bei einer Fortbildungsveranstaltung.
Die im Schlaf normalen 36,5 bis 37,5 Grad Celsius können nach dem Aufwachen aktivitätsbedingt gesteigert werden. Ab 39 Grad setzt eine echte Fiebersymptomatik mit Rötung, Unwohlsein, Tachypnoe, Tachykardie und allgemeiner Irritabilität ein. Meist wird die Nahrung verweigert, auch die Vigilanz kann verändert sein.
Etwa vier Prozent der Kinder neigen zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem sechsten Lebensjahr zu Fieberkrämpfen. Diese haben keine Langzeitfolgen, müssen jedoch genau gegen epileptische Anfälle abgegrenzt werden. Als antikonvulsive Behandlung wird Diazepam empfohlen. Vorsicht bei der Dosierung und der Injektionsgeschwindigkeit sind aufgrund der Gefahr einer Atemdepression geboten. Im akuten Anfall wird das Diazepam intravenös verabreicht, ansonsten rektal.
Eine Senkung des Fiebers kann mit physikalischen oder/und pharmakologischen Maßnahmen durchgeführt werden. Die Kinder werden also leicht bekleidet und erhalten kühle Umschläge oder Einläufe, eventuell sogar Eisbäder, ansonsten ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr notwendig. Ein dunkler Harn signalisiert einen Flüssigkeitsmangel. Eiweißreiche Kost, Obst und Obstsäfte werden empfohlen. Die pharmakologische Behandlung beruht häufig auf Nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) wie Ibuprofen oder Paracetamol zur Hemmung der Prostaglandinsynthese.
Nicht verwendet werden sollten, so Urbanek, die Acetylsalicylsäurepräperate wegen der Gefahr des hepatotoxischen Reye-Syndroms und Phenacetin wegen seiner potenzieller Nephrotoxizität. Paracetamol wird allerdings auch über die Leber abgebaut, weshalb es bei Überdosierung zu einer irreversiblen Leberschädigung kommen kann.

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